Ärzte Zeitung, 29.07.2004

Bei Visusminderung klärt einfacher Test, ob schnelles Handeln nötig ist

Mit dem Wechselbelichtungstest läßt sich Reizleitung vom Auge zum Hirn prüfen

NEU-ISENBURG (sko). "Herr Doktor, ich sehe mit einen Auge nicht mehr gut." Klar, daß solch eine einseitige Visusminderung abgeklärt werden sollte. Doch wie rasch? Hinweise auf die Dringlichkeit liefert der Wechselbelichtungstest, bei dem die Reaktion der Pupillen auf Licht rasch und einfach auch in der Hausarztpraxis geprüft werden kann.

"Mit dem Wechselbelichtungstest kann unabhängig von der Mitarbeit des Patienten die Reizleitung vom Auge zum Gehirn geprüft werden", berichtet Privatdozent Dr. Oliver Schwenn vom Bürgerhospital in Frankfurt am Main. Es sei durchaus sinnvoll, bei einseitiger Visusminderung dieses Symptom mit dem Test zu objektivieren. Ist der Test negativ, kann eine Linsentrübung oder eine Makuladegeneration die Sehverschlechterung verursachen. In diesem Fall sollte das Auge natürlich auch weiter untersucht werden, was aber nicht so zeitkritisch ist.

Ist der Test hingegen positiv, "dann muß man sich sputen, weil dann etwa auch ein Zentralarterienverschluß dahinter stecken könnte", so Schwenn. Da in solch einem Fall schon nach einer Stunde irreversible Schäden auftreten können, müssen die Patienten schnellstens behandelt werden, weshalb eine schnelle Einweisung in eine Klinik sinnvoll ist.

Wie funktioniert der Test? Zunächst wird in einem abgedunkelten Raum ein Auge schräg von unten mit einem Winkel von etwa 60 Grad mit einer gleichmäßigen Lichtquelle beleuchtet. Nach zwei Sekunden schwenkt das Licht zur anderen Seite, wobei der Untersucher die Reaktion der nun beleuchteten Pupille beobachtet.

Ist die afferente Bahn des zweiten Auges intakt, bemerkt man praktisch keine Veränderung an der Pupille, da diese sich schon bei der Beleuchtung des ersten Auges durch die konsensuelle Lichtreaktion an die Helligkeit angepaßt hat. Ist jedoch die Reizleitung gestört, erweitert sich die Pupille des zweiten Auges, da nicht mehr so viele Lichtreize ins Gehirn gelangen. Beim Zurückwechseln zum ersten, gesunden Auge beobachtet man dann wieder eine Engstellung dieser Pupille.

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