Ärzte Zeitung, 12.10.2004

Dopamin-Agonisten jetzt bei RLS empfohlen

Neue Leitlinien zur RLS-Therapie: Dopamin-Agonisten bei schweren Ein- und Durchschlafstörungen

DÜSSELDORF (nsi). Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie ist mit den neuen Leitlinien zur Behandlung von Patienten mit Restless-Legs-Syndrom (RLS) ihrer Zeit gewissermaßen voraus: Schon jetzt empfiehlt die Fachgesellschaft, bei mittelschwerem bis schwerem RLS einen Dopamin-Agonisten anzuwenden, obwohl in Deutschland mit der Zulassung des ersten Dopamin-Agonisten für diese Indikation, dem Ropinirol, erst im kommenden Frühjahr gerechnet wird.

"Die Datenlage ist so gut, daß bei Patienten mit mittelschwerem bis schwerem RLS der Off-label-Use des Dopamin-Agonisten gerechtfertigt ist", sagte Professor Lutz Lachenmayer aus Hamburg beim Neurologie-Kongreß in Düsseldorf.

Bei einer Augmentation der RLS-Symptome unter der Behandlung mit L-Dopa, also einer Verschlimmerung und Vorverlagerung der Beschwerden von den Abend- und Nachtstunden auf den Tag, sei die Therapie mit einem Dopamin-Agonisten sogar ein "absolutes Muß".

Wenn RLS-Patienten nur Einschlafstörungen haben, die nicht allzu gravierend seien, könne nach wie vor mit L-Dopa behandelt werden, eventuell auch mit L-Dopa in Retardform. Eine Einschlafstörung liege vor, wenn Patienten regelmäßig länger als dreißig Minuten benötigen, bis sie schlummern können.

Klagten Patienten aber über gravierende Ein- und Durchschlafstörungen mit Tagesmüdigkeit, sei ein Dopamin-Agonist indiziert, so Lachenmayer auf der vom Unternehmen GlaxoSmithKline unterstützten Veranstaltung. Durch mehrere klinische Studien sei belegt worden, daß Ropinirol die Symptome bei RLS-Patienten deutlich bessere.

Um unerwünschte Effekte des Medikamentes wie Übelkeit und Müdigkeit zu vermeiden, empfehle sich eine einschleichende Dosierung, sagte Lachenmayer. Lasse sich mit einer Dosis von 2 mg Ropinirol pro Tag kein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen, könne die Dosis verdoppelt werden.

Alternativen für Patienten, denen auch die höhere Dosis nicht helfe, seien Opiate und Benzodiazepine, sagte Lachenmayer.

Ropinirol ist derzeit für die Behandlung von Patienten mit Morbus Parkinson unter der Bezeichnung ReQuip® auf den Markt.

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