Ärzte Zeitung, 20.01.2005

Bremer Universität befürwortet Hirnforschung an Affen

Am Zentrum für Kognitionsforschung untersuchen Wissenschaftler die Kommunikation von Neuronen mit Hilfe von Elektroden und Tomographie

BREMEN (cben). Die Bremer Universität hat sich ausdrücklich hinter die Affenversuche der Wissenschaftler des Zentrums für Kognitionsforschung (ZKW) an der Bremer Universität gestellt. Die Arbeit bedeute "eine notwendige zielgerichtete Grundlagenforschung", sagte der Konrektor der Forschung an der Bremer Universität, Professor Reinhard Fischer.

Die Bremer Universität bezieht sich auch auf eine Stellungnahme der Deutschen Forschungsgemeinschaft vom Frühjahr 2004. Darin heißt es: "Ein Verzicht auf Tierversuche könnte eine unverantwortliche Verlangsamung des medizinischen Fortschritts bedeuten."

Nach Angaben des ZKW-Sprechers Klaus Pawelzik wird seit 1998 an der Universität an Affen geforscht. Das Institut verfügt über 20 Tiere. Die Arbeit mit den Makaken war in den vergangenen Jahren immer wieder von Tierschützern kritisiert worden. Für die Tiere, die aus ihrem natürlichen Lebensbedingungen herausgerissen würden, seien etwa die Körperfixierungen bei den Versuchsanordnungen quälend. Auch würden die Lernerfolge mit Hunger und Durst der Tiere erzwungen.

Während der Experimente werden die Affen in Plexiglas-Gehäuse gesetzt, nur der Kopf schaut heraus. Er wird fixiert, damit dünne Elektroden ins Affenhirn eingeführt werden können, um während der Versuche die Kommunikation der Nervenzellen im Gehirn messen zu können, erläuterte Professor Andreas Kreiter.

Der Wissenschaftler forscht mit Hilfe von Affenversuchen. Dann werde per Monitor vor den Augen des Affen seine Wahrnehmung stimuliert und zugleich gemessen, was unterdessen im Hirn abläuft. Die Versuche seien für die Affen schmerzfrei, sagte Kreiter zur "Ärzte Zeitung".

Anhand ihrer Forschungsergebnisse konnten die Forscher zeigen, daß Wahrnehmung entgegen bisheriger Annahmen in Codes, also charakteristischen Kooperationsmustern verschiedener Gehirnzellen, besteht. "Wenn wir die typischen Reaktionsschemata kennen, lassen sich auch Störungen besser verstehen", sagte Kreiter, "und möglicherweise paßgenaue Medikamente herstellen. Es ist darum ethisch und moralisch geboten, diese Versuche fortzusetzen." In Zukunft könnten die Ergebnisse zum Beispiel helfen, Patienten mit Angststörungen oder Schizophrenie zu behandeln.

Seit zwei Jahren reduzieren die Bremer Wissenschaftler die Affenversuche, indem sie verstärkt einen Kernspintomographen nutzen. Das Gerät ermittelt nichtinvasiv, welche Hirnregionen während eines Versuchs stärker durchblutet, also aktiv sind. "Damit können wir eine Landkarte des Hirn anlegen und brauchen die Elektroden nur noch, um ganz spezielle Hirnareale zu untersuchen", sagte Kreiter.

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