Ärzte Zeitung, 15.02.2005

Kurzzeit-Psychotherapie bessert psychiatrische Symptome

Metaanalyse von 17 Studien zu psychoanalytisch orientierten Therapien / Nutzen setzt sich nach Behandlungsende offenbar weiter fort

GÖTTINGEN (KHS). Mit einer psychoanalytisch orientierten Kurzzeittherapie läßt sich bei vielen psychiatrischen Symptomen eine signifikante Besserung erreichen. Die Erfolgsquote der Kurzzeittherapie entspricht der nach verhaltenstherapeutischer Intervention.

Zu diesem Ergebnis sind Professor Falk Leichsenring und Privatdozent Dr. Eric Leibing aufgrund einer Metaanalyse von 17 internationalen Studien gekommen.

Die beiden Wissenschaftler von der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie des Bereichs Humanmedizin der Universitätsklinik Göttingen untersuchten so die Effekte von etwa 16 bis 30 psychotherapeutischen Sitzungen auf Patienten zum Beispiel mit sozialen Defiziten, depressiven Verstimmungen, Borderline-Symptomen, Anorexie und Bulimie sowie Opiat-Abhängigkeit. Symptome aus dem Formenkreis der Schizophrenien oder manisch-depressiver Psychosen wurden nicht in die Untersuchung einbezogen.

Die Metaanalyse ergab auch längerfristig stabile Therapieerfolge verglichen mit unbehandelten Patienten auf Wartelisten und herkömmlich behandelten Patienten.

Die Nachbeobachtungszeiten betrugen im Mittel ein Jahr. Nach Angaben von Leichsenring und Leibing kam es sogar noch nach Beendigung der Kurzzeit-Psychotherapie zu einer weiteren Verbesserung der Symptomatik.

Die Metaanalyse der beiden Göttinger Forscher ist im Dezember-Heft 2004 in den renommierten Archives of General Psychiatry (61, 1208) veröffentlicht worden. Diese werden von der American Medical Association herausgegeben. Das Fachblatt hat den höchsten Impact-Faktor in den Fachgebieten Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Psychologie. Arbeiten aus dieser Zeitschrift werden also am häufigsten zitiert, was als Qualitätsnachweis gilt.

Die Autoren weisen auf die Problematik von Metaanalysen hin, die je nach den Kriterien für die Arbeiten, die in die Untersuchung aufgenommen werden oder nicht, zu verschiedenen Ergebnissen führen können. Sie erwähnen außerdem, daß die Methodik der psychoanalytisch orientierten Kurzzeittherapien nicht in allen untersuchten Studien völlig gleich ist.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »