Ärzte Zeitung, 29.04.2005
 

Hypophyse nimmt nach Hirn-Trauma oft Schaden

Störung bleibt oft unerkannt

MÜNCHEN (sto). Eine Hypophyseninsuffizienz galt bis vor wenigen Jahren noch als eine seltene Komplikation bei Schädel-Hirn-Trauma oder einer Subarachnoidalblutung. Das hat sich gründlich geändert.

Eine Untersuchung bei Patienten in der Rehabilitation ergab, daß drei Monate nach einem Schädel-Hirn-Trauma bei mehr als der Hälfte aller Betroffenen Hypophysen-Funktionsstörungen auftreten.

Das berichtete Professor Günter K. Stalla vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Zwölf Monate nach der Kopfverletzung waren in der von ihm geleiteten Studie immer noch 35 Prozent der Patienten von den hormonellen Störungen betroffen.

Bislang sei es jedoch nicht mög-lich, einen eindeutigen Zusammen-hang zwischen der Art sowie dem Ausmaß des Traumas und der hormonellen Störung herzustellen. Betroffen seien aber meist Patienten mit schwerem oder mittelschwerem Schädel-Hirn-Trauma.

Das betonte der Endokrinologe bei einer Veranstaltung von Pfizer bei der Gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurotraumatologie und Klinische Neuropsychologie und der Deutschen Gesellschaft für Neu-rologische Rehabilitation in Mün-chen.

Zu den Symptomen gehören Depression und Schlafstörung

Typische Symptome einer Hypo-physeninsuffizienz seien Antriebs- und Aufmerksamkeitsstörungen, Depressionen und Schlafstörungen, aber auch länger anhaltende Bewußtseinsstörungen. Sie könnten allerdings durch die Symptome des Schädel-Hirn-Traumas oder einer Subarachnoidalblutung verschleiert sein, so Stalla.

Bei einer Prävalenz von 30 bis 70 Prozent müßte nach Stallas Angaben in Deutschland jährlich bei mindestens 50 000 der Patienten mit Schädel-Hirn-Trauma eine Hypophyseninsuffizienz diagnostiziert werden. Tatsächlich werde die Störung aber kaum feststellt.

Sinnvoll wäre es deshalb, bei jedem Patienten mit schwerem und mittelschwerem Schädel-Hirn-Trauma sowie bei Patienten, die die klinischen Zeichen einer Hypophyseninsuffizienz aufweisen, in der Postakutphase und nach etwa einem Jahr die Hypophysenfunktion durch eine basale Hormonmessung zu testen, sagte Stalla. Bei Hypophyseninsuffizienz und bei Wachstumshormon-Mangel sollte eine Substitutionstherapie, etwa mit Genotropin®, eingeleitet werden.

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