Ärzte Zeitung, 31.05.2005

Bei Legasthenie fehlen Filter für unwichtige Reize

LONDON (ddp.vwd). Lese-Rechtschreib-Schwächen gehen möglicherweise auf eine viel grundlegendere Wahrnehmungsstörung zurück als bislang angenommen: Legastheniker können Hintergrund-Reize nur schlecht ausblenden und haben daher Schwierigkeiten, unwichtige von wichtigen Informationen zu trennen, haben US-Forscher jetzt entdeckt.

Dieses Defizit erschwert den Betroffenen nicht nur das Identifizieren einzelner Buchstaben beim Lesen, sondern möglicherweise auch das Hören einzelner Laute bei gesprochenen Wörtern. Beides trägt maßgeblich zum Lesen- und Schreibenlernen bei, wie die Forscher um Dr. Anne Sperling von der Georgetown-Universität in Washington heute berichten (Nat Neuroscience-Online).

Die Forscher stellten fest, daß Kinder mit Legasthenie Probleme beim Erkennen von Bewegungen haben - allerdings nur dann, wenn sie zusätzlich zu dem Testbild noch andere, unwesentliche Muster oder Objekte sehen. Dieses sogenannte optische Hintergrundrauschen wird normalerweise beim Sehen vom Gehirn herausgefiltert, schreiben die Forscher.

Passiert das nur teilweise, ist es für den Betroffenen sehr viel schwieriger, wesentliche Informationen zu erkennen. Die Wissenschaftler vermuten, daß nicht nur der Sehsinn von den fehlenden Filtern betroffen ist, sondern auch das Gehör. Das würde erklären, warum die meisten Legastheniker sowohl beim Übertragen von Gehörtem in Geschriebenes als auch beim Erkennen geschriebener Wörter Probleme haben.

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