Ärzte Zeitung, 14.06.2005

Botulinumtoxin - Gute Daten zur Langzeittherapie

HAMBURG (nie). Bei Patienten mit Spastik und Dystonie hat sich der Wirkstoff Botulinumtoxin A über einen langen Therapiezeitraum hinweg als gut verträglich erwiesen. In 36 Placebo-kontrollierten Studien mit 2321 Patienten wurden keine unerwünschten Langzeitwirkungen festgestellt.

Darauf hat Professor Markus Naumann vom Klinikum Augsburg hingewiesen. Anhand der Langzeitanalysen mit Patienten, die vor allem Dystonie oder Spastik hatten und die über zehn Jahre hinweg vier Mal im Jahr Botulinumtoxin A bekommen hatten, wurde nur eine sehr niedrige Rate unerwünschter Wirkungen festgestellt. Auch bei langjähriger Verwendung des Toxins in der Gastroenterologie und Urologie, Dermatologie sowie bei Schmerzen seien kaum unerwünschte Wirkungen aufgetreten.

In Deutschland ist das Toxin zur Therapie bei Blepharospasmus, hemifazialem Spasmus, zervikaler Dystonie und fokaler Spastizität sowie Hyperhidrose der Achseln zugelassen. Botulinumtoxin A wird intramuskulär in die betroffenen Körperregionen injiziert. Die Wirkung des Medikaments hält meist drei bis sechs Monate an.

Ebenfalls gering sei bei mit Botulinumtoxin behandelten Patienten die Entwicklung von Antikörpern gegen das Toxin, sagte Naumann auf einem Symposium von Pharm-Allergan, das Botulinumtoxin A als Botox® anbietet. In einer Studie kam es bei vier von 326 Patienten, die zwei Jahre lang Botulinumtoxin bekommen hatten, zur Antikörperbildung. Drei der vier Patienten hatten trotzdem auf die Therapie angesprochen.

Nach Angaben von Professor Gerhard Reichel aus Zwickau verfehlt Botulinumtoxin allerdings bei jedem vierten Patienten seine Wirkung. Bei Patienten seien hierfür soziale und psychische Probleme von Bedeutung. "Manchmal mangelt es aber auch an der Aufklärung der Patienten durch Ärzte." So würden Patienten oft nicht ausreichend darüber informiert, welches Therapieziel mit dem Bakterientoxin erreicht werden kann, sagte der Neurologe. Manchmal stellten Ärzte aber auch falsche Diagnosen oder spritzten das Medikament in den falschen Muskel.

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