Ärzte Zeitung, 05.10.2005

Lösen Hormone Restless-Legs-Syndrom aus?

Frauen mit Kindern haben ein höheres Risiko als kinderlose Frauen / Symptome gehäuft in der Schwangerschaft

WIESBADEN (ars). Möglicherweise beeinflußt der Hormonhaushalt bei Frauen die Entstehung des Restless legs Syndroms (RLS). Denn: Vom RLS sind Frauen, die Kinder bekommen haben, häufiger betroffen als Frauen, die keine Kinder geboren haben. Diese haben ein ähnliches RLS-Risiko wie Männer.

Die Diagnose RLS wird ausschließlich nach klinischen Zeichen gestellt. Allerdings gibt es bisher keinen standardisierten Fragebogen, mit dem sich die einzelnen Merkmale abfragen lassen.

Darauf hat Professor Claudia Trenkwalder aus Kassel auf dem Neurologenkongreß in Wiesbaden hingewiesen. Immerhin gibt es eine Skala mit zehn Fragen. Damit kann man den Schweregrad des Syndroms ermitteln.

Studien zur Prävalenz beruhen gewöhnlich auf den vier Kriterien, die zur Diagnose eines RLS erfüllt sein müssen: Es besteht ein Bewegungsdrang der Beine, der von Mißempfindungen begleitet wird, sich in Ruhe verschlechtert, durch Bewegung aber besser wird und nachts schlimmer ist als tagsüber.

Zwischen sieben und neun Prozent der Bevölkerung in westlichen Ländern antworten auf alle Punkte mit "ja", wobei Menschen ab 65 Jahre und Frauen deutlich überwiegen: In diesen beiden Gruppen leidet jeder Zehnte daran.

Aber auch schon Kinder können erkranken. Oft werde dann jedoch fälschlicherweise eine Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostiziert.

Bei Asiaten kommt das RLS wesentlich seltener vor: In Japan zum Beispiel geben nur 0,5 Prozent der Männer und 1,2 Prozent der Frauen die typischen Beschwerden an, berichtete Trenkwalder auf einem Symposium des Unternehmens Boehringer Ingelheim.

Warum das RLS besonders Frauen zu schaffen macht, ist noch unklar. Die Pathogenese wird wohl vom weiblichen Hormonhaushalt beeinflußt: Das Erkrankungsrisiko ist um so größer, je mehr Kinder eine Frau geboren hat. Bei Frauen, die keine Kinder geboren haben, ist es gleich hoch wie bei Männern. Zudem ändert sich die Ausprägung eines RLS mit dem Menstruationszyklus. Einen Hinweis gibt auch die Tatsache, daß die Beschwerden gehäuft bei Schwangeren auftreten, meistens im letzten Trimenon.

Von Bedeutung ist ferner, daß ein RLS durch Eisenmangel hervorgerufen werden kann, für den Frauen durch Geburten und Regelblutungen besonders anfällig sind. Möglich wäre aber auch, daß Frauen die Unruhe der Beine stärker wahrnehmen und mehr klagen als Männer - eine Beobachtung, die Trenkwalder durch die Erfahrungen aus ihrem Klinikalltag bestätigen kann.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Neue Hoffnung auf wirksame Alzheimer-Therapie

Lässt sich der Krankheitsverlauf bei Alzheimer mittels Antikörper doch bremsen? Erstmals deutet sich ein solcher Erfolg in einer größeren Studie an. Das weckt Hoffnungen. mehr »

Was die Datenschutz-Folgenabschätzung ist

Praxen, Kliniken und MVZ, die in großem Stil Patientendaten verarbeiten, müssen laut DSGVO eine Datenschutz-Folgenabschätzung absolvieren. Medizinrechtler erläutern, wie das geht und was das überhaupt ist. mehr »

Tele-Hausarzt horcht aus der Ferne ab

Dr. Rafael Walocha betreut als Tele-Hausarzt Bewohner eines Pflegeheims per Video. Dabei kann er die Patienten sogar elektronisch auskultieren. Arzt und Patienten sind begeistert. mehr »