Ärzte Zeitung, 04.11.2005

Seit 20 Jahren Erfolge mit Cochlea-Implantaten

Jüngster Patient in Hannover mit vier Monaten operiert

HANNOVER (cin). Seit 20 Jahren werden an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) Cochlea-Implantate eingesetzt. Professor Ernst Lehnhardt setzte 1984 erstmals einer jungen Frau, die durch einen Unfall ihr Gehör verloren hatte, ein Implantat ein. Die MHH ist nach eigenen Angaben das weltweit größte Zentrum für Cochlea-Implantate.

Ein Cochlea-implantat ist eine Hightech-Hörhilfe. Die Elektroden sind in die Coclea eingeführt. Foto: MHH

Inzwischen haben etwa 3000 Patienten dort ein Implantat erhalten. Von den jährlich 240 Patienten sind 60 Prozent Kinder. Professor Thomas Lenarz von der HNO-Klinik weist auf die Chance für Kinder hin, die beim Neugeborenen-Hörscreening auffallen und sich durch CI normal entwickeln können. Der jüngste Patient der MHH wurde mit vier Monaten operiert. Zielgruppe sind Patienten mit beidseitiger, hochgradiger Innenohr-Schwerhörigkeit bis -Taubheit.

Das Cochlea-Implantat kann das fehlende Gehör ersetzen. Hauptbestandteile sind das Mikrofon hinter dem Ohr und ein Sprachprozessor von der Größe eines Hörgerätes. Von hier aus wird der Schall weiterleitet und in elektrische Impulse umgewandelt. Diese gelangen zum eigentlichen Implantat mit Elektroden, das hinter dem Ohr unter der Haut liegt.

Die Elektroden sind in die Hörschnecke (Cochlea) eingeführt. So können Hörnervenfasern gereizt werden. Die Reize gelangen ins Gehirn, wo der Höreindruck entsteht. Voraussetzung ist ein intakter Hörnerv. Künftig sollen noch wirkungsvollere Implantate mit nahezu natürlichem Höreindruck entwickelt werden. Forscher arbeiten zudem an alternativen Verfahren wie Hirnstammimplantaten.

MMH, Professor Lenarz, Tel.: 05 11/532 91 61 (Frau Kreter), E-mail: kreter.friederike@mh-hannover.de oder Dr. Bertram, Tel.: 05 11/90 95 9-0/-25 E-mail: bbertram@hka.de, Internet: www.mhh-hno.de

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

"Telemedizin ist für uns Landärzte die Zukunft"

Geringes Honorar, hoher Aufwand und auf bestimmte Diagnosen begrenzt – trotzdem setzen einige Ärzte auf die Videosprechstunde. Und das aus vielerlei Gründen. mehr »

Was 100-Jährige von anderen unterscheidet

100-Jährige sind oft weniger krank als die Jüngeren. Worauf es ankommt, haben Forscher anhand von Daten von AOK-Versicherten herausgefunden. mehr »

Lauterbach will Erstkontakte extra vergüten

"Erstkontakte sollen sich lohnen": Mit einem Sonderbudget für Erstkontakte bei Fachärzten will der SPD-Gesundheitspolitiker Professor Karl Lauterbach Ungerechtigkeiten bei der Terminvergabe beseitigen. mehr »