Ärzte Zeitung, 25.07.2006

Neun von zehn Häftlingen haben psychische Störungen

Bielefelder Studie ermittelt hohen Therapiebedarf

Neun von zehn Strafgefangenen haben einer Studie zufolge psychische Störungen. Wissenschaftler aus Bielefeld und Aachen stellten bei etwa 88 Prozent der von ihnen untersuchten Häftlinge mindestens eine Störung fest, etwa 83 Prozent der Gefangenen sind behandlungsbedürftig.

Die Gruppe um Carl-Ernst von Schönfeld von der Bielefelder Tagesklinik Bethel hatte 139 Häftlinge der Justizvollzugsanstalt in Bielefeld-Brackwede untersucht und stellt ihre Ergebnisse im Fachblatt "Der Nervenarzt" (77, 2006, 830) aus dem Springer-Wissenschaftsverlag vor.

In der Studie dominierten substanzbezogene Störungen wie Alkohol- oder Drogenabusus (70 Prozent) vor Persönlichkeits- (50 Prozent), Angst- (27 Prozent) und Affektstörungen (17 Prozent). Bei den 63 untersuchten Frauen war Betäubungsmittelabhängigkeit mit 60 Prozent besonders häufig, bei Männern dominierte Alkoholmißbrauch mit ebenfalls 60 Prozent.

Von Affektstörungen, Angststörungen und Psychosen waren Frauen stärker betroffen als Männer. Auch Persönlichkeitsstörungen seien bei Frauen häufiger, berichten die Forscher. (dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Spermien auf Dope

Vielleicht sollten besser ältere als jüngere Männer kiffen: Cannabis scheint die Fruchtbarkeit zu mindern, aber vor Prostatakrebs zu schützen. mehr »

Mit Mikroben gegen Asthma

Künftige Asthma-Therapien könnten neben Antikörpern auch Mechanismen der körpereigenen Entzündungshemmung nutzen – oder Helicobacter pylori. mehr »

Ein Nigerianer und ein Serbe sichern die Versorgung im Norden

Lunden ist gelungen, woran andere Regionen scheitern: In einer kommunalen Eigeneinrichtung sichern zwei Ärzte ab Mai die Versorgung. mehr »