Ärzte Zeitung online, 01.09.2008

Botulinumtoxin: 210 Zwischenfälle und fünf Todesfälle seit 1994 in Deutschland

HAMBURG/MÜNCHEN (dpa). Das vor allem auch als Anti-Falten-Mittel bekannte Nervengift Botulinumtoxin ist nicht ungefährlich: Seit von fünf Todes- und 210 Zwischenfällen in Deutschland seit 1994 nach der Behandlung mit dem Wirkstoff Botulinumtoxin.

Das Nachrichtenmagazin "Focus" hat über diese Zahlen berichtet und beruft sich dabei auf das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Etwa 20 Indikationen seien bislang in verschiedenen Ländern zugelassen, und die Liste wachse stetig weiter, so das Magazin. "Nahezu unbemerkt hat sich das Gift vom Faltenkiller zum Allzweckmedikament gemausert."

Neurologen und Urologen, Hautärzte und Fachleute für Sprach-, Stimm- und Schluckstörungen injizierten das Gift in zuckende Lider, krampfende Stimmritzen, bei stark schwitzenden Achseln, Händen und Füßen oder bei Blasenproblemen. Doch das Nervengift kann sich über die Injektionsstelle hinaus im Körper ausbreiten und etwa zu Atem- und Schluckbeschwerden führen.

Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hatte bereits Anfang des Jahres vor den gefährlichen Nebenwirkungen gewarnt, nachdem spastisch gelähmte Kinder nach der Behandlung mit dem Nervengift gestorben waren. Botulinumtoxin blockt die Impulsübertragung von Nervenzellen auf den Muskel ab und entspannt dadurch den Muskel. In winzigen Mengen hilft es, Falten zu glätten. Als Medikament wird es bei motorischen Störungen und spastischen Muskelverkrampfungen allerdings in deutlich höheren Dosierungen eingesetzt.

Verhängnisvoll könne das Gift vor allem für Schönheitswillige werden, da auch Nichtmediziner Botulinumtoxin gegen Falten und Runzeln spritzen dürfen, wie das Magazin schreibt. Der Herausgeber des "arznei-telegramms", der Arzt und Apotheker Wolfgang Becker-Brüser, warnt in dem Bericht vor Angeboten in Urlaubshotels und bei in- und ausländischen Schönheitsinstituten oder Beauty-Päpsten. Das seien "äußerst riskante Spritz-Touren".

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