Ärzte Zeitung online, 21.11.2008

DAK: Kinder und Jugendliche schlucken immer öfter Psychopharmaka

HAMBURG (dpa). Kinder und Jugendliche in Deutschland bekommen immer häufiger bestimmte Psychopharmaka verschrieben. Die Zahl der mit Neuroleptika behandelten unter 15-Jährigen stieg von 2006 bis 2007 deutlich um fast 25 Prozent, wie die DAK am Donnerstag in Hamburg mitteilte.

Aus den DAK-Arzneimitteldaten geht hervor, dass die Zunahme bei den unter 20-Jährigen insgesamt bei knapp 14 Prozent lag. Neuroleptika sind Psychopharmaka, die unter anderem bei Psychosen, Entwicklungsstörungen und Autismus eingesetzt werden.

"Ein gefährlicher Trend", sagte Stefanie Schellhammer, Apothekerin in der DAK-Fachabteilung für Arzneimittel. Neuroleptika könnten schwere Nebenwirkungen wie etwa Gewichtszunahme, apathisches Verhalten, Bewegungs- und Herz-Kreislauf-Störungen haben.

"Gerade bei Kindern, die noch im Wachstum sind, sollten diese Medikamente äußerst vorsichtig verschrieben werden." Schellhammer warnte vor einem "Gesellschaftstrend": "Psychopharmaka setzen sich mittlerweile in allen Altersgruppen durch." Bei Erwachsenen gehörten sie bei den verordneten Medikamenten schon seit Jahren zu den Spitzenreitern.

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Kölner Studie: Immer mehr Kinder und Jugendliche erhalten Psychopharmaka

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