Ärzte Zeitung online, 28.11.2008

In Deutschland bemühen sich immer mehr Menschen um psychische Hilfe

BERLIN (mut). In Deutschland nehmen immer mehr Menschen die Hilfe von Psychiatern und Psychotherapeuten in Anspruch. Ob das daran liegt, dass mehr Menschen psychisch krank werden oder dass sich Erkrankte öfter behandeln lassen, lässt sich jedoch bislang nicht sagen.

Empirische Zahlen gebe es noch nicht genug, um diese Frage zu beantworten, hat Professor Wolfgang Gaebel, Präsident der DGPPN, zur Eröffnung des Psychiatriekongresses in Berlin berichtet. Man beobachte jedoch eine erhöhte Nachfrage nach psychiatrischer Hilfe. So nehme die Häufigkeit von Klinikeinweisungen wegen psychischer Erkrankungen zu. "Und zwar trotz oder vielleicht gerade wegen der inzwischen kürzeren Verweildauer in Kliniken", sage Gaebel. Derzeit fehlten Langzeitbeobachtungen, aus denen sich die Entwicklung der Inzidenz und Prävalenz absehen lasse. Möglicher Faktoren für eine zunehmende Prävalenz könnten jedoch deutlich belastendere Arbeitsbedingungen sein.

Hinweise auf die Prävalenz von psychischen Erkrankungen in Deutschland gebe eine Befragung aus dem Jahr 1998. Dabei stellte sich heraus, dass in Deutschland 42 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal im Leben an einer psychischen Störung erkranken. Umfragen in anderen Ländern kamen auf eine deutlich niedrigere Lebenszeitprävalenz von etwa 27 Prozent, weltweit wird sie nach WHO-Daten auf 25 Prozent geschätzt. Allerdings gab Gaebel zu bedenken, dass sich diese Zahlen nicht direkt miteinander vergleichen lassen, da in den Umfragen jeweils andere Methoden verwendet wurden. Verschiedenen Untersuchungen zufolge sei eine Lebenszeitprävalenz von 25 bis 30 Prozent für psychische Störungen realistisch.

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