Ärzte Zeitung online, 20.02.2009

Therapie-Roboter Lokomat hilft Kranken, wieder gehen zu lernen

MÜNSTER (eb). Ein robotergesteuertes Gerät im Universitätsklinikum Münster (UKM) hilft Patienten mit schweren Bewegungsstörungen, wieder gehen zu lernen. Auch Kinder ab drei Jahren können damit schon therapiert werden. Betrieben wird das Lokomat genannte Gerät vom Ganglabor Walstedde aus Drensteinfurt, mit dem das UKM eng kooperiert.

Der 6-jährige Kai Jersch bei einer Therapieeinheit auf dem Lokomaten. Physiotherapeutin Alexandra Bayer steuert per Computer die Gangorthese, die dem Jungen beim Gehen hilft.

Foto: UKM

Vereinfacht dargestellt, besteht der Lokomat aus einem Laufband und einem robotergesteuerten Gerät mit Stütz- und haltungskorrigierender Funktion, der so genannten Orthese. Mit dieser Orthese werden über einen Computer die Beine der Patienten gesteuert. Der Lokomat wird eingesetzt bei Patienten mit Bewegungsstörungen durch Zerebralparese (zerebrale Kinderlähmung), Querschnittslähmung, Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma.

Über eine Rampe ist der Lokomat auch mit dem Rollstuhl zugänglich. Auf dem Laufband übt der Patient den flüssigen Bewegungsablauf des Gehens, der Roboter führt dabei die Beine, angepasst an die zu lernenden Bewegungsmuster, die Fähigkeiten und die Größe der Patienten.

"Gehen ist ein hochkomplexer Vorgang. Durch die Therapie können im motorischen Gehirnareal neue "Verschaltungen" ausgelöst werden, die den Patienten dabei helfen, wieder das Gehen zu erlernen. Gerade bei Kindern und Jugendlichen sind dadurch nachhaltige Fortschritte erreichbar", erklärt Dr. Andreas Sprinz, Geschäftsführer und Ärztlicher Leiter des Ganglabors Walstedde. Genau wie bei manuellen Therapien steckt hinter der Lokomat-Therapie ein klar umrissenes Ziel der Behandlung: "Gehen lernt man nur durch Gehen." Und genau dabei verbessert und ergänzt der Lokomat die Therapie.

Sprinz: "Die manuelle Laufbandtherapie ist etabliert und zeigt erhebliche Erfolge. Hierbei helfen Krankengymnasten per Hand den Patienten, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Das ist allerdings mit einem enormen Kraftaufwand für die Therapeuten verbunden. Therapieeinheiten von mehr als 20 Minuten sind kaum zu realisieren." Durch den Lokomaten können die Bewegungsmuster verbessert, die Dauer einer Therapieeinheit verlängert und die Ergebnisse verbessert werden.

Rund 280 000 Euro investierte das Ganglabor Walstedde in den Lokomaten. Eine hoch spezialisierte Robotersensorik reagiert auf jede Bewegung der Patienten. Speziell geschulte Therapeuten begleiten die Behandlung. Individuell wird der Lokomat auf jeden Patienten eingestellt hinsichtlich Größe, Gewicht und Leistungsspektrum.

Das Trainingsprogramm unterscheidet sich von Patient zu Patient und ermöglicht auch positives Feedback. Sprinz: "Jeder Bewegungsablauf wird dokumentiert und ausgewertet. Durch grafische Darstellungen können auch die erreichten Fortschritte deutlich gemacht werden." Insgesamt erstreckt sich der Lokomat über eine Länge von 3,3 Metern und ist bis zu 2,5 Meter hoch.

Derzeit gibt es solche Therapie-Geräte, mit denen auch Kinder ab drei Jahren behandelt werden können, in nur fünf Zentren deutschlandweit, wie die UKM mitteilt.

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