Ärzte Zeitung online, 03.03.2009

Psychiater warnt davor, Medien generell zu verteufeln

HAMBURG (dpa). Trotz steigenden Medienkonsums sind nach Ansicht des Hamburger Psychiaters Michael Schulte-Markwort nicht mehr Kinder verhaltensauffällig. Dies sei "ein weiteres Zeichen dafür, die negativen Auswirkungen der Medien nicht zu überschätzen", teilte der stellvertretende Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie (DGKJP) am Dienstag mit.

"Ich halte es für falsch, die Medien, gleich ob Fernsehen oder Computer beziehungsweise Internet, generell zu verteufeln. Es liegt in den Händen der Eltern, den Kindern einen verantwortungsvollen Umgang vorzuleben." Von diesem Mittwoch bis Sonnabend diskutieren Kinder- und Jugendpsychiater bei ihrer Jahrestagung in Hamburg etwa über psychosomatische Störungen.

Mit klaren Regeln und Zeitvorgaben könnten Eltern schon Vorschulkinder an Fernsehen und Computer heranführen, teilte Schulte-Markwort mit. "Natürlich dürfen Dauerfernsehen oder endlose Computersitzungen nicht auf der Tagesordnung stehen, aber in einem intakten, kommunikativen Familienleben regelt sich der Medienkonsum oft von allein."

Eltern sollten Interesse dafür zeigen, womit sich ihre Kinder beschäftigen - kontrollieren sei aber der falsche Weg. Auch von einem TV- oder Computerverbot als Strafe halte er nichts. Erst wenn Kinder dauernd vor dem Computer sitzen und "Rückzug, Gleichgültigkeit und Einsamkeitstendenzen" hinzukommen, sei ärztliche Hilfe nötig.

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