Ärzte Zeitung online, 28.04.2009

Pädophiler Klinikarzt muss ins Gefängnis

AMBERG (dpa). Ein pädophiler Arzt ist am Montag wegen sexuellen Missbrauchs von neun Mädchen zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht Amberg verurteilte den Anästhesisten wegen Missbrauchs in 13 Fällen. Der 49 Jahre alte ehemalige Klinikarzt hatte sich an den zehn bis zwölf Jahre alten Opfern teilweise auch im Amberger Klinikum vergangen, einige der Taten filmte er mit versteckter Kamera.

Zudem missbrauchte er die Kinder befreundeter Familien in Schwimmbädern und bei Ausflügen. Der Arzt hatte die in der Anklage aufgelisteten Vorwürfe gestanden und den Kindern damit eine Aussage vor Gericht erspart. Nach Überzeugung der Richter handelte es sich bei den Fällen ausnahmslos um unsittliche Berührungen. Die Staatsanwaltschaft war in der Anklage dagegen auch von zwei schweren Missbrauchsfällen ausgegangen. Dies bestätigte sich in dem fast vollständig unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführten zweitägigen Prozess jedoch nicht. Wegen der selbst gedrehten Filme wurde der Arzt auch wegen Erwerbs und Besitzes von Kinderpornos verurteilt.

Das Gericht legte außerdem ein Berufsverbot fest. Wenn der Anästhesist aus der Haft kommt, darf er für drei Jahre nicht als Mediziner arbeiten. Zumindest Tätigkeiten mit üblichen ärztlichen Behandlungen von Patienten sind ihm untersagt. Der Anästhesist war etliche Jahre in der Amberger Klinik beschäftigt. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe kündigte das städtische Krankenhaus dem Mann.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den Mann viereinhalb Jahre Haft gefordert. Der Verteidiger plädierte auf eine Bewährungsstrafe, weil sein Mandant eine Therapie wegen der festgestellten Pädophilie antreten wolle. Der Rechtsanwalt will eine mögliche Revision prüfen.

Eine Bewährungsstrafe reiche nicht aus, meinte der Vorsitzende Richter Wolfgang Schmalzbauer in der Urteilsbegründung. "Das Ergebnis muss sein: Strafe und Therapie", sagte der Amberger Landgerichtspräsident. Er geht davon aus, dass der 49-Jährige während der Zeit im Gefängnis eine Psychotherapie machen wird.

Die Strafkammer betonte, dass der Narkosearzt seine besondere berufliche Stellung ausgenutzt habe. "Er hat seine Rolle als Arzt missbraucht", sagte Schmalzbauer. Zudem sei es verwerflich, dass der Mediziner das Vertrauen von langjährigen Freunden ausgenutzt habe, um sich an deren Kindern zu vergreifen. Der Mediziner hatte sich so beispielsweise auf einer Berghütte und im Wald an Mädchen vergangen. Mehrmals missbrauchte er Kinder bei Untersuchungen im Rahmen einer angeblichen Studie in seinem Krankenhausbüro.

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