Ärzte Zeitung online, 18.06.2009

Familie wird bei Drogenprävention eingebunden

Studie bestätigt: erhöhter Drogenkonsum bei psychisch kranken Jugendlichen / Präventionsprogramm im Test

HAMBURG (ugr). Vier von fünf psychisch kranken Jugendlichen rauchen, ein Großteil nimmt zudem illegale Drogen. Mit einem Präventionsprogramm will das Hamburger Uniklinikum dem entgegen wirken. Das Programm soll noch in diesem Jahr evaluiert werden.

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Zwischen Substanzmissbrauch und psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen besteht ein enger Zusammenhang, wie auch eine aktuelle Untersuchung ergeben hat, die jetzt auf einem Kongress in Hamburg vorgestellt worden ist. An der Studie haben 116 Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren teilgenommen, die stationär oder teilstationär in Kliniken für Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt wurden. Mittels Fragebogen, Interviews und Drogenscreening wurde der Konsum legaler und illegaler Drogen geprüft.

Die Ergebnisse: Bei 24 Prozent der Patienten in der Jugendpsychiatrie diagnostizierten die Studienärzte einen problematischen Alkoholkonsum, bei 11 Prozent einen problematischen Konsum illegaler Drogen. Von den älteren Jugendlichen gaben 80 Prozent an, regelmäßig zu rauchen, 65 Prozent tranken regelmäßig Alkohol und 60 Prozent hatten in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal illegale Drogen konsumiert.

Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe mit psychisch gesunden Jugendlichen sei bei den psychisch kranken Patienten sowohl ein früheres Einstiegsalter als auch ein höherer Drogenkonsum festgestellt worden, hat Dr. Thomas Stegemann vom Hamburger Uniklinikum Eppendorf (UKE) erläutert. Für Stegemann ist dies ein Indiz, dass der Konsum psychoaktiver Substanzen einen wichtigen Risikofaktor für psychische Störungen darstellt und die Prognose der Patienten verschlechtert.

Jeder Fünfte trinkt zu viel Alkohol.

Ein neues familienbasiertes Präventionsprogramm könnte hier wichtige Dienste leisten. Es stammt aus den USA und trägt die Bezeichnung "Strengthening Families Program"(SFP). Derzeit wird es am UKE evaluiert und für Deutschland adaptiert. In mehreren kontrollierten US-Studien ließen sich damit der Konsumbeginn und die Konsummenge von Tabak, Alkohol und Cannabis reduzieren. Zudem nahmen Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern wie Aggressivität in Familie und Schule ab, die Noten besserten sich, das Familienleben war entspannter - auch Folge der verbesserten Erziehungskompetenzen der einbezogenen Eltern.

Das Präventionsprogramm richtet sich vor allem an 12- bis 13-jährige Schüler und deren Eltern. Es beinhaltet wöchentliche Treffen à drei Stunden sowie Vertiefungsseminare und erstreckt sich über ein halbes Jahr. Eltern und Schüler werden meist getrennt geschult.

Weitere Infos zu dem Programm:
www.uke.de/zentren/suchtfragen-kinder-jugend/index_47320.php

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