Ärzte Zeitung online, 18.06.2009

Urteil im Prozess um tödliches Wetttrinken am 3. Juli

BERLIN(dpa). Der Berliner Gastwirt, der sich im Februar 2007 mit einem 16-jährigen Schüler ein tödliches Wetttrinken geliefert hatte, soll nach Forderung der Staatsanwaltschaft für vier Jahre ins Gefängnis. Die Verteidigung plädierte am Mittwoch auf einen milden Richterspruch. Das Landgericht will das Urteil am 3. Juli verkünden.

Der 28-jährige Wirt habe sich der Körperverletzung mit Todesfolge und des unerlaubten Alkoholausschanks an Minderjährige schuldig gemacht, sagte der Anklagevertreter. Der Schüler hatte nach einem Gutachten in weniger als einer Stunde mindestens 45 Tequila heruntergekippt. Er fiel ins Koma und starb vier Wochen später. Der Gastwirt hatte den Jungen betrogen und zeitweise nur Wasser getrunken.

Aus Sicht der Verteidigung habe niemand vorhergesehen, dass bei dem Wetttrinken jemand stirbt, sagte Rechtsanwalt Johannes Eisenberg in seinem Plädoyer. Der Wirt hatte in dem Prozess allerdings ein Geständnis abgelegt und sich zu seiner Verantwortung bekannt. Der 28-Jährige hatte nach dem Wettrinken den Heimweg angetreten und den Schüler bewusstlos in seinem Lokal zurückgelassen. Er hatte aber nach Zeugenaussagen Anwesende beauftragt, sich um den Hilflosen zu kümmern. Diese brachten ihn auf einer Lokalbank in die stabile Seitenlage.

Ein 27 Jahre alter Tischler schilderte als Zeuge, weder er noch andere Lokalgäste hätten damit gerechnet, dass der Schüler sterben könnte. Erst als die letzten Gäste gehen wollten, sei entdeckt worden, dass der Bewusstlose bereits blau angelaufen war. Daraufhin sei ein Krankenwagen gerufen worden.

Der Rechtsmediziner Michael Tsokos sagte, in der Bevölkerung sei noch wenig bekannt, dass auch ein einmaliges übermäßiges Trinken von Alkohol zum Tod führen könne. Ab 3 Promille werde es lebensgefährlich. Ab 40 Gläsern (2 cl) Tequila beispielsweise müsse jederzeit mit dem Tod gerechnet werden. Ein ähnlich krasser Fall wie der des 16-Jährigen sei aber auch ihm nicht bekannt. Meistens würden sich junge Trinker übergeben oder das Bewusstsein verlieren, bevor sie noch weiter trinken könnten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

jameda muss Arztprofil löschen - Das ist die Urteilsbegründung

Urteil des Bundesgerichtshofs zum Arzt-Bewertungsportal jameda: Am Dienstag entschieden die Karsruher Richter zugunsten einer klagenden Ärztin. Ihr Profil muss gelöscht werden - die Richter schränken ihr Urteil allerdings ein. mehr »

Wann Bergsteigen fürs Herz schädlich ist – und wann nicht

Forscher haben Studien zu herzkranken Bergsteigern ausgewertet und geben Tipps, was Ärzte bei welcher Krankheit beachten müssen. mehr »

Deutlich mehr Masernfälle in Europa

In der Europäischen Region der WHO gab es 2017 eine Zunahme der Masernfälle um 400 Prozent gegenüber dem Vorjahr. mehr »