Ärzte Zeitung online, 16.07.2009

Unruhen in Israel nach Verhaftung von religiöser Mutter

JERUSALEM (dpa). Nach der Verhaftung einer strengreligiösen Mutter in Israel, die ihr Kind jahrelang ausgehungert haben soll, gehen die Unruhen in dem Land weiter. Israelische Medien berichteten am Donnerstag, bei Ausschreitungen in der Nacht seien knapp 30 ultra-orthodoxe Juden festgenommen worden.

In Jerusalem kam es auch am Donnerstag zu Verkehrsbehinderungen durch Proteste an der zentralen Bar-Ilan-Straße, wie der israelische Rundfunk meldete. Am Mittwochabend hatten auch in der Stadt Bet Schemesch Ultra-Orthodoxe Polizisten mit Steinen beworfen.

Die Proteste folgen der Verhaftung einer 30-jährigen Mutter aus dem Orthodoxenviertel Mea Schearim in Jerusalem. Die Zeitung "Jediot Achronot" veröffentlichte am Donnerstag ein Foto des bis auf die Knochen abgemagerten Jungen, der bei seiner Einlieferung ins Krankenhaus nur sieben Kilogramm wog. Nach Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist dies das durchschnittliche Gewicht eines vier Monate alten männlichen Säuglings.

Ein Sprecher der Familie sagte am Donnerstag, der Junge sei unterernährt, weil er an Krebs leide. Der Vize-Direktor des Hadassah- Krankenhauses in Jerusalem, in dem das Kind behandelt wird, dementierte dies jedoch. Seit der Trennung von der Mutter verbessere sich der Zustand des Jungen zusehends und er nehme zu, sagte Jair Barenboim. Vermutlich könne er binnen weniger Wochen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Überwachungskameras neben dem Krankenbett hatten festgehalten, dass die Mutter eine Nährsonde immer wieder entfernte.

Die im fünften Monat schwangere Frau soll in Haft bleiben, weil die Polizei befürchtet, sie könnte sonst auch ihren vier weiteren Kindern Schaden zufügen. Diese werden gegenwärtig von der Familie versteckt gehalten.

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