Ärzte Zeitung online, 31.08.2009

Kunststudentin für vorgetäuschte Psychose verurteilt

STOCKHOLM (dpa). Weil sie vor laufender Kamera eine Psychose vorgetäuscht hat, muss die Stockholmer Kunststudentin Anna Odell (35) ein Bußgeld über 2500 Kronen (245 Euro) zahlen. Das Amtsgericht der schwedischen Hauptstadt verurteilte die Studentin am Montag wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Verstoßes gegen die guten Sitten, nachdem Odells Kunstaktion die Öffentlichkeit monatelang in zwei Lager gespalten hatte.

Die in den 90er Jahren psychisch kranke Schwedin hatte im Winter auf einer Stockholmer Brücke einen psychotischen Anfall vorgetäuscht. Freunde filmten diesen ebenso wie das Eintreffen einer Polizeistreife, die Odell gegen deren Widerstand in die Psychiatrie des St. Göran-Krankenhauses brachten. Dort wurde sie wegen ihres wilden Auftretens mit Gurten auf einem Bett festgebunden.

Den Bericht über das Geschehen in Bild und Wort reichte Odell als künstlerische Examensarbeit bei der Stockholmer Kunstakademie unter dem Titel "Unbekannte Frau 2009-349701" ein. Die Akademie nahm die Arbeit an und veröffentlichte den Film auch. Die Autorin begründete ihr Projekt mit dem Ziel, eine Diskussion über die schlechte Behandlung psychisch Kranker durch Polizei und Gesundheitswesen in Gang bringen zu wollen. Mehrere betroffene Ärzte zeigten die Studentin an.

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