Ärzte Zeitung online, 30.09.2009

Gericht weist "Münchhausen" in Psychiatrie ein

WUPPERTAL (dpa). Ein 49-jähriger Mann mit Münchhausen-Syndrom soll im Gesundheitswesen einen Millionenschaden angerichtet haben. Mit erfundenen Symptomen ließ sich der Mann jahrelang in Kliniken bringen und aufwändig untersuchen, bis ihn die Staatsanwaltschaft wegen Betruges vor Gericht brachte. Das Wuppertaler Landgericht wies den Mann am Mittwoch in eine Psychiatrie ein.

Wegen seiner psychischen Störung und einem hirnorganischen Schaden sei er schuldunfähig. Der gebürtige Düsseldorfer leide unter dem Münchhausen-Syndrom, einer psychischen Störung, bei der die Betroffenen Krankheiten erfinden, um Aufmerksamkeit zu erregen.

Beim Prozessauftakt hatte der Mann bestritten, die Beschwerden nur vorgetäuscht zu haben: "Ich gehe bestimmt nicht gerne ins Krankenhaus, ich übertreibe nur manchmal ein bisschen." In den Notaufnahmen quer durch Nordrhein-Westfalen war der 49-Jährige bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Mehr als 53 Mal soll der Angeklagte zwischen Januar 2006 und Oktober 2008 mit angeblichen Beschwerden wie Magenblutungen oder epileptischen Anfällen aufgetaucht sein. Einen medizinischen Befund für die Symptome gab es jedoch nie.

Nach Angaben eines Psychologen ist dem Mann im Gegensatz zu einem Hypochonder durchaus bewusst, nicht krank zu sein. Wie einige der behandelnden Ärzte berichteten, habe der Mann erst besonnen auf die Vorwürfe des Münchhausen-Syndroms reagiert. Zunehmend sei er jedoch aggressiv geworden und auf Ärzte und Schwestern losgegangen. Deswegen war er zusätzlich wegen Körperverletzung angeklagt.

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