Ärzte Zeitung online, 11.10.2009

Geburt im Wachkoma ist kein Einzelfall

NÜRNBERG/ERLANGEN (dpa). Die Wachkoma-Geburt einer 40 Jahre alten Mutter an der Uniklinik Erlangen ist kein Einzelfall in Deutschland. Erst im vergangenen Sommer habe eine 30 Jahre alte Frau am Klinikum Nürnberg unter ähnlichen Umständen ein Kind zur Welt gebracht, sagte die Chefärztin der Frauenheilkunde am Klinikum Nürnberg, Professor Cosima Brucker.

Die Klinik habe damals aber darauf verzichtet, die Öffentlichkeit zu informieren, sagte Brucker zur dpa.

Ähnlich wie in dem am Freitag bekannt gewordenen Erlanger Fall sei die Schwangere nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand ins Koma gefallen. Das Kind kam laut Brucker sieben Wochen später zur Welt.

Bei Wachkoma-Patienten sei die Herz-Kreislauf-Funktion normal, weshalb das Ungeborene ausreichend mit Blut versorgt werde. Während der Schwangerschaft wird das Kind der Ärztin zufolge künstlich ernährt und später per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht: "Man darf nur unter kontrollierten Bedingungen entbinden", erklärte Brucker.

Erst am Freitag hatte die Mitteilung der Uniklinik Erlangen für Schlagzeilen gesorgt, eine 40 Jahre alte Frau habe ein gesundes Baby zur Welt gebracht. Sie hatte in der 13. Schwangerschaftswoche einen Herzinfarkt erlitten und war in ein Koma gefallen. Nach 22 weiteren Wochen wurde das Kind geboren. Der Fall liegt bereits einige Monate zurück. Über Einzelheiten will die Uni-Klinik Erlangen bei einer Pressekonferenz am 14. Oktober informieren.

   Bei hirntoten Frauen hatte es in der Vergangenheit weltweit wiederholt erfolgreiche Schwangerschaften gegeben. So wurde Anfang der 80er Jahre in den USA das erste Kind einer hirntoten Mutter geboren. Das Mädchen kam fünf Tage, nachdem die Ärzte den Hirntod der Frau diagnostiziert hatten, durch Kaiserschnitt zur Welt

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