Ärzte Zeitung online, 12.03.2010

Stärkere Rechte für Schädelhirnverletzte gefordert

BONN (dpa). Etwa alle zwei Minuten erleidet ein Mensch in Deutschland eine Schädelhirnverletzung, meistens durch Verkehrsunfälle oder Stürze. Pro Jahr seien rund 270 000 Menschen betroffen, teilte der Organisator des Nachsorgekongresses für Schädelhirnverletzte, Achim Ebert, am Freitag mit.

Bessere Therapieangebote, Wiedereingliederungshilfen, stärkere Rechte für Schädelhirnverletzte sowie einen eigenen Behindertenstatus forderte daher der 4. Nachsorgekongress. "Die Rehabilitation in der Akutphase ist gut geregelt. Sobald der Betroffene aber nach Hause kommt, bricht das große Chaos aus", sagte der Neurologe und Leiter des Ambulanten Neurologischen Rehabilitationscentrums Ahrweiler, Dr. Paul Reuther. Es fehle an Betreuungsangeboten in Wohnortnähe und dem Verständnis, dass Rehabilitation kein Kurzzeitgeschäft, sondern ein lebenslanges Begleiten sei. Für Schädelhirnverletzte gebe es außerdem auch kaum Akzeptanz in der Gesellschaft: "Wir erleben immer wieder, dass Schädelhirnverletzte ausgegrenzt werden", sagte Ebert.

Seit März 2009 gilt in Deutschland die UN- Behindertenrechtskonvention, deren Leitbild die volle Einbeziehung behinderter Menschen in die Gesellschaft ist. "Teilhabe ist ein Menschenrecht. Wir müssen dafür sorgen, dass nicht die Betroffenen der Hilfe hinterherlaufen müssen, sondern vielmehr die Hilfen die Betroffenen einholen und ihnen geben, was sie brauchen", sagte der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe (CDU).

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