Ärzte Zeitung online, 26.03.2010

Keine Grippewelle im Januar - Mehr seelische Leiden

BERLIN (dpa). Die eisigen Januartage dieses Jahres haben keine Grippewelle ausgelöst - im Gegenteil: Es haben sich sogar erheblich weniger Menschen wegen Erkältung krankgemeldet als im Januar 2009. Das ergab die am Freitag vorgelegte Krankenstandstatistik des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen (BKK).

Danach gab es aber mehr Verletzungen, vor allem in den nördlichen Bundesländern sowie den Großstädten Hamburg, Bremen und Berlin. Die BKK vermuten als Ursache teilweise Glatteisunfälle. Die letzte größere Grippewelle mit einem Anstieg der Atemwegserkrankungen verzeichnet die BKK-Statistik im Jahr 2005.

Jede zehnte Krankschreibung war auf psychische Erkrankungen zurückzuführen - die Zuwachsrate in den ersten zwei Monaten 2010 betrug 11 Prozent. Vor rund 30 Jahren machte die Diagnose seelische Leiden in der seit 1976 geführten Statistik gerade mal zwei Prozent aller Krankentage aus. Mit rund 33 Tagen Dauer liegen psychische Erkrankungen weit über den 14 Krankentagen, die 2009 durchschnittlich pro sozialversicherten Arbeitnehmer gemeldet wurden. Der Wert war gegenüber 2008 von damals 13,4 Tagen wiederum leicht angestiegen. 2006 war mit 12,4 Tagen der absolute Tiefstand in 30 Jahren gemeldet worden.

Die häufigsten Krankheitsursachen bleiben Muskel- und Skelett-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen und Verletzungen. Für die Statistik wertet der BKK-Bundesverband die Daten jedes vierten sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmers aus. 2008 waren das 6,5 Millionen von 27,5 Millionen Beschäftigten.

Im Januar und Februar 2010 war der Krankenstand auf einem etwas niedrigeren Niveau als in den entsprechenden Vorjahresmonaten. Der Anteil der Erkältungskrankheiten blieb ungewöhnlich niedrig: Im Januar ging er um fast die Hälfte zurück, im Februar um etwa ein Viertel.

Bei den Verletzungen verzeichnete die Statistik zu Jahresanfang regionale Unterschiede. Ihr Anteil an allen Krankentagen stieg im Vergleich zum Vorjahr durchschnittlich um 2 Prozent an. In Hamburg betrug der Zuwachs sogar 5,4 Prozent, in Bremen 6,2 Prozent und in Berlin 3,8 Prozent. Bei den Bundesländern fielen für Schleswig-Holstein (+ 3,4 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (+ 3,2 Prozent) und Niedersachsen (+ 2,8 Prozent) Steigerungen an.

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