Ärzte Zeitung online, 31.03.2010

Vergesslichkeit liegt offenbar auch im Blut

MÜNSTER (eb). Manchen Menschen scheint Zerstreutheit im wahrsten Sinne des Wortes im Blut zu liegen. Wie Forscher der Universität Münster (WWU) herausgefunden haben, ist ein relativ hoher Spiegel von C-reaktivem Protein im Blut mit Einschränkungen im planerischen Denkvermögen und mit entsprechenden Veränderungen der weißen Hirnsubstanz verbunden.

Vergesslichkeit liegt offenbar auch im Blut

Der Entzündungsmarker CRP stört offenbar auch die Hirnfunktion. © James Steidl / fotolia.com

In ihrer Studie untersuchten die Forscher 447 Probanden mit einem Durchschnittsalter von 63 Jahren (Neurology 74, 2010, 1022). Bei den Studienteilnehmern waren keine relevanten neurologischen Vorerkrankungen wie Schlaganfall oder Demenz bekannt. Alle Probanden unterzogen sich einem ausführlichen neuropsychologischen Test, mit dem mehrere kognitive Leistungen - etwa das Gedächtnis, die Wortflüssigkeit und das planerische Denkvermögen - geprüft wurden. Zusätzlich wurde eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Kopfes gemacht, in der mit Hilfe einer speziellen Technik - der Diffusionstensor-Bildgebung (DTI - subtile Veränderungen der weißen Hirnsubstanz sichtbar gemacht werden können. Die DTI ist eine Weiterentwicklung der MRT. Sie basiert auf den unterschiedlichen Diffusionseigenschaften von Wassermolekülen in Abhängigkeit vom umgebenden Gewebe, im Gehirn also die graue und weiße Substanz.

Auffällige Veränderungen in frontalen Hirnregionen

Übersteigt die Menge an C-reaktivem Protein (CRP) im Blut ein gewisses Limit, ist dies bekanntlich ein Hinweis auf eine akute Entzündung. Für die Studie wurden deshalb CRP-Spiegel über diesem Grenzwert ausgeschlossen. Gemessen wurde mit hochsensitiven Methoden unterhalb jenes Bereiches, der bei akuten Entzündungen vorliegt. Die Studie zeigte, dass höhere Serumspiegel von CRP im hochsensitiven Bereich mit schlechteren Leistungen im planerischen Denkvermögen assoziiert waren. Zudem wurden mit Hilfe der DTI Auffälligkeiten der weißen Hirnsubstanz mit steigenden CRP-Werten festgestellt. Diese Auffälligkeiten wurden in frontalen Bereichen des Gehirns entdeckt, also in jenen Hirnregionen, die für den Ablauf planerischer Denkprozesse entscheidend sind.

"Durch Medikamente wie Acetylsalizylsäure und Statine, aber auch durch körperliche Aktivität und Gewichtskontrolle lassen sich die CRP-Werte im Blut senken. Ob eine Senkung des CRP-Spiegels auch die kognitive Leistung verbessern kann, muss jedoch in weiteren Studien geklärt werden", sagt Dr. Heike Wersching, Mitarbeiterin des Instituts für Epidemiologie und Sozialmedizin der WWU und Hauptautorin der Studie.

Die Untersuchung wurde gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), der VolkswagenStiftung, dem EU-geförderten Marie Curie Research and Training Network, dem Kompetenznetz Vorhofflimmern des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Stiftung Neuromedizin Münster.

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