Ärzte Zeitung online, 12.10.2010

USA: Gelähmter Patient mit embryonalen Stammzellen behandelt

WASHINGTON (dpa). In den USA haben Ärzte einen teilweise gelähmten Patienten mit embryonalen Stammzellen behandelt. Der Versuch sei der weltweit erste dieser Art, der von einer nationalen Behörde genehmigt worden sei, teilte eine Sprecherin Biotechnikunternehmen Geron mit, das hinter der Studie steht.

Einem nach einer Rückenmarkverletzung teilweise Gelähmten seien in einer Klinik im US-Staat Atlanta Millionen von embryonalen Stammstellen gespritzt worden, berichtete die "Washington Post" am Montag.

Über den Ausgang des Versuchs im Shepherd Center wurde noch nichts bekannt. Als eine Gefahr beim Einsatz embryonaler Stammzellen sehen Experten die Entwicklung von Krebs. Der Versuch dient zunächst dazu, die Sicherheit der Methode zu prüfen.

Im Streit um die staatliche Förderung der Stammzellenforschung in den USA hatte Präsident Barack Obama erst unlängst einen Etappensieg errungen. Ein Berufungsgericht hatte Ende September endgültig eine einstweilige Anordnung aufgehoben, mit der die öffentliche Finanzierung vorläufig gestoppt worden war.

Obama hatte kurz nach seiner Amtsübernahme eine Wende in der Forschungspolitik eingeleitet und von seinem Vorgänger Bush 2001 verfügte Beschränkungen bei der staatlichen Förderung der Forschung mit embryonalen Stammzellen aufgehoben. Bush hatte die Unterstützung auf 21 Stammzellenlinien beschränkt, die 2001 bereits existierten.

Der US-Präsident hatte diese Bestimmung gelockert und die Gesundheitsbehörde angewiesen, neue Richtlinien auszuarbeiten. Sie erlaubten die Nutzung neuer Stammzellenlinien. Voraussetzung ist, dass sie von Embryonen stammen, die nach Fruchtbarkeitsbehandlungen in Kliniken ohnehin vernichtet worden wären.

Stammzellen sind Multitalente, die noch nicht genau für ihre spätere Aufgabe im Körper programmiert sind und sich in zahlreiche Zelltypen verwandeln können. Viele Forscher halten sie für geeignet, um aus ihnen in Zukunft Ersatzgewebe für Patienten etwa mit Alzheimer, Parkinson oder Herzinfarkt züchten.

Bericht in der Washington Post (englisch)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Beginnt die MS im Dünndarm?

Im Dünndarm werden wohl "Schläfer-T-Zellen" aktiviert, die eine MS triggern. Jetzt sind Forscher auf der Suche nach dem Auslöser – und haben Keime im Verdacht. mehr »

Wie die Neurologie von der Flüchtlingskrise profitiert

Migranten sind für Europa eine Herausforderung, doch sie bringen auch neue Erkenntnisse: Mediziner können durch Zuwanderer erforschen, wie Gene und Umwelt mit neurologischen Krankheiten zusammenhängen. mehr »

Hausbesuche bringen wohl mehr Honorar

Beim GKV-Spitzenverband gilt als ausgemacht, dass die Ärzte für eine Ausweitung der Mindestsprechzeiten nur sparsam honoriert werden sollen. Das Honorarsystem soll keine Gelddruckmaschine für Ärzte sein. Eine Ausnahme könnte es geben: Hausbesuche. mehr »