Ärzte Zeitung online, 01.08.2011

Schneller Termin beim Therapeuten oder Neurologen

STUTTGART (chb). Eine schnellere und umfassendere Versorgung von Patienten mit neurologischen und psychischen Erkrankungen soll ein neuer Facharztvertrag in Baden-Württemberg bieten.

Schneller Termin beim Therapeuten oder Neurologen

Termin beim Psychotherapeuten: In Baden-Württemberg soll das jetzt schneller gehen.

© Phase4Photography / fotolia.com

Vertragspartner sind unter anderem Medi Baden-Württemberg, der Berufsverband der Nervenärzte sowie die Deutsche Psychotherapeutenvereinigung und auf Kassenseite AOK und Bosch BKK.

Patienten, die sich in den Vertrag nach Paragraf 73c SGB V einschreiben, sollen innerhalb weniger Tage einen Termin beim Facharzt oder Psychotherapeuten bekommen. Langwierige Antrags- und Gutachterverfahren, zur Klärung der Kostenübernahme, sollen nach Angaben der Vertragspartner für diese Patienten entfallen.

Die Behandlung soll sich an festen Versorgungspfaden orientieren, die auf medizinischen Leitlinien basieren. Die Kommunikation zwischen den beteiligten Haus- und Fachärzten sowie den Psychotherapeuten soll über strukturierte Arztbriefe sichergestellt werden.

Medi-Chef Dr. Werner Baumgärtner hält den neuen Facharztvertrag für einen "Quantensprung in der Versorgung psychisch und neurologisch kranker Menschen". Er geht davon aus, dass sich eine Teilnahme an dem Vertrag für Ärzte auch finanziell lohnen wird.

"Teilnehmende Ärzte können mit einem bis zu 30 Prozent höheren Fallwert gegenüber dem Kollektivvertragssystem rechnen", so Baumgärtner. Ab Mitte September sollen sich Neurologen, Psychotherapeuten und Pychiater in den Vertrag einschreiben können.

Da die Zahl der Menschen mit psychischen Erkrankungen seit Jahren stetig steigt, haben die beiden teilnehmenden Krankenkassen großes Interesse an einer besseren Versorgung dieser Patienten.

Nach Angaben von Bosch BKK Vorstand Bernhard Mohr ist allein die Zahl der Behandlungsfälle bei Depressionen zwischen 2004 und 2008 um 20 Prozent gestiegen. Im selben Zeitraum seien die Ausgaben für Medikamente zur Bekämpfung von Depressionen in Baden-Württemberg um 30 Prozent gestiegen.

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