Ärzte Zeitung online, 05.08.2011

Zahl der traumatisierten Soldaten steigt deutlich

BERLIN (bee). Die Zahl der Soldaten, die an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden, ist erneut deutlich gestiegen. Allein im ersten Halbjahr 2011 zählte die Bundeswehr 451 Soldaten, die aus einem Einsatz mit einer PTBS zurückkehrten.

Zahl der traumatisierten Soldaten steigt weider deutlich - 451 neue Fälle

Deutsche ISAF-Soldaten im Einsatz: Die Zahl der Heimkehrer mit einer PTBS steigt weiter.

© dpa

 Das sind bereits jetzt fast so viele wie im kompletten Jahr 2009: Vor zwei Jahren bekamen 466 Bundeswehrangehörige die Diagnose PTBS. Im Jahr 2010 waren es mit 729 Fällen fast doppelt so viele Betroffene.

Experten gehen davon aus, dass für das gesamte Jahr 2011 die Fälle aus den vorangegangenen zwölf Monaten noch mal übertroffen werden könnten.

Die meisten betroffenen Soldaten kehren mit einer Belastungsstörung aus dem Einsatz in Afghanistan heim. Im Jahr 2010 waren es 557 Soldaten im Afghanistaneinsatz, im ersten Halbjahr litten bereits 368 Soldaten nach einem Einsatz an PTBS.

Forscher vermuten eine hohe Dunkelziffer

Allerdings sind diese Fälle nur die offiziell bekannten. Eine Studie von der TU Dresden im Auftrag der Bundeswehr ist bei der Vorstellung erster Ergebnisse im Frühjahr davon ausgegangen, dass rund zwei Prozent der Soldaten mit einem Trauma aus dem Einsatz zurück kehrt.

Die Studienleiter der sogenannten "Dunkelzifferstudie" betonten, dass diese Zahlen deutlich unter denen der britischen oder amerikanischen Armee liegen: Hier kehrten zwischen 15 und 25 Prozent der Soldaten mit einer Belastungsstörung aus dem Irak- oder Afghanistaneinsatz zurück.

Dennoch wäre die Zahl mit zwei Prozent relativ hoch, findet die Grünen-Bundestagsabgeordnete Agnieszka Malczak: "Die Studie der TU Dresden macht deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Auch zwei Prozent sind als Dunkelziffer noch zu hoch. Wir brauchen daher dringend verbesserte und niedrigschwellige Anlaufstellen."

Bundeswehr baut Hilfen aus

Die Bundeswehr hat auf ihren Internetseiten inzwischen einen Online-Selbsttest für Betroffene eingerichtet. Auch in Foren sollen sich Betroffene besser austauschen können, Telefonhotlines bieten Soldaten anonym Hilfe.

Eine Versorgung durch einen Facharzt kann allerdings einige Zeit dauern: Wie in vielen Bereichen der Bundeswehr gibt es auch hier einen Ärztemangel: Auf den 42 Dienstposten, die auf die vier Bundeswehrkliniken deutschlandweit verteilt sind, kommen derzeit nur 24 Fachärzte, 18 Ärzte fehlen.

Für die Forschung im wehrmedizinischen Bereich zum Thema PTBS will die Bundeswehr im Jahr 2011 rund 4,5 Millionen Euro ausgeben. Im Jahr 2010 gab das Verteidigungsministerium unter diesem Posten noch 648.000 Euro an.

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