Ärzte Zeitung online, 18.10.2011

Depression: Schnell aus dem Tief schützt am besten vor Rückfall

Je schneller Depressive auf die Therapie ansprechen, umso besser ist ihre Prognose: Wer innerhalb von sechs Wochen aus seinem Stimmungstief kommt, hat meist auch nach einem Jahr noch kein Rezidiv.

Depression: Schnell aus dem Tief schützt am besten vor Rückfall

Bei depressiven Menschen hat ein früher Therapie-Erfolg den besten Effekt auf die Prognose, so eine Studie.

© Benjamin Haas / fotolia.com

ALCOBENDAS (mut). Da Depressionen häufig chronisch und rezidivierend verlaufen, ist es wichtig zu wissen, welche Patienten eine ungünstige Prognose haben - denn um diese muss man sich dann besonders intensiv kümmern.

Inzwischen sind einige Faktoren für eine schlechte Prognose bekannt. Dazu zählen Residualsymptome nach der Behandlung sowie die Stärke der Symptome nach sechs Wochen Therapie.

Ärzte um Dr. Antonio Ciudad aus Alcobendas in Spanien haben nun in einer Studie untersucht, wie stark sich ein rascher Therapieerfolg auf die Prognose auswirkt (J Clin Psych 2011; online 4. Oktober).

Studie mit 930 Depressiven

Dazu wurden 930 Patienten mit einer depressiven Episode über ein Jahr lang untersucht. Alle Patienten hatten eine DSM-IV-Diagnose und wurden ambulant mit Antidepressiva behandelt.

Im Schnitt lag der Wert auf der Hamilton-Depressionsskala (HAMD17) über 15 Punkten, was einer mittelschweren Depression entspricht.

Nach sechs Wochen hatten 38 Prozent der Patienten auf die Therapie angesprochen: Ihr HAMD-Wert war um mindestens 50 Prozent gesunken. Von diesen Patienten erreichten 76 Prozent innerhalb von sechs Monaten eine Remission und waren auch noch nach zwölf Monaten rezidivfrei.

Wer nach sechs Wochen keine Depression mehr hat, bleibt oft symptomfrei

Und 81 Prozent der Patienten, bei denen die Depression innerhalb von sechs Wochen sogar komplett verschwand, waren auch nach einem Jahr noch in Remission.

Dagegen lag dieser Anteil bei Patienten, die nicht innerhalb von sechs Wochen auf die Therapie ansprachen, nur bei 43 Prozent.

Auch Arbeit oder körperliche Beschwerden haben einigen Einfluss auf die Prognose

Ciudad und sein Team werteten nun verschiedene Faktoren auf ihren prognostischen Wert aus. Einzeln betrachtet war die Remissionsrate bei Patienten, die sich in einem Arbeitsverhältnis befanden, nach einem Jahr um 45 Prozent höher als bei solchen ohne Job.

Bei Patienten mit zusätzlichen körperlichen Beschwerden war sie dagegen um knapp 30 Prozent geringer.

A und O ist früher Erfolg der medikamentösen Therapie

Den deutlichsten Effekt auf die Prognose hatte aber ein früher Therapie-Erfolg: Sprachen die Patienten innerhalb von sechs Wochen auf die Behandlung an, waren Rezidive um den Faktor Vier seltener als bei Patienten, die länger dafür benötigten.

Ein weiteres interessantes Ergebnis: Bei einem frühen Therapie-Erfolg spielte es für die Prognose keine Rolle, ob die Patienten zuvor schon depressive Episoden durchgemacht hatten oder nicht.

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