Ärzte Zeitung, 13.12.2012

Kommentar zur DEGS-Studie

Fakten gegen Kurzschlüsse

Von Thomas Müller

Es klingt ja alles sehr plausibel: Der Druck in der Arbeitswelt nimmt zu, die beruflichen Perspektiven werden immer weniger berechenbar, das traditionelle Familienmodell zerbröselt. Ist es also ein Wunder, dass eine derart verunsicherte Gesellschaft immer mehr psychische Störungen erzeugt?

In dieses Bild passen auch die mantra-artigen Verkündigungen von Krankenkassen, die eine kontinuierliche Zunahme von Fehltagen durch psychische Störungen feststellen. Da tut es doch gut, wenn harte Fakten solche Hypothesen als eines entlarven: gedankliche Kurzschlüsse.

Denn lässt man Ärzte durch Deutschland reisen, um der Bevölkerung auf den Zahn zu fühlen, wie es für den DEGS-Survey geschah, so ergibt sich ein ganz anderes Bild: Die Prävalenz psychischer Störungen hat sich in den vergangenen Dekaden kaum verändert.

Was sich aber ändert, ist die Aufmerksamkeit: Solche Störungen werden heute seltener mit dem Deckmantel eines organischen Leidens verhüllt - statt diffusem Rückenschmerz wird öfter die Depression als wahrer Grund für die Fehltage erkannt.

Nach den DEGS-Daten hinken die Kassenstatistiken aber deutlich der Realität hinterher. Man wird sich daher wohl noch lange anhören müssen, dass die Zahl der psychisch Kranken angeblich wächst.

Lesen Sie dazu auch:
Depression und Co.: Junge Frauen sind besonders anfällig

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Neue Arzneien zum Schutz vor Brüchen

Osteoporose wird oft übersehen. Der Welt-Osteoporose Tag rückt die Erkrankung ins Bewusstsein. Zum Schutz vor Frakturen werden derzeit neue Substanzen erprobt. mehr »

Vergangenheit, die nicht vergeht

Ramstein, Eschede, Loveparade in Duisburg: Großunglücke lassen bei Opfern und oft auch bei Einsatzkräften seelische Wunden zurück. Psychotraumatologen können den Betroffenen in der Regel gut helfen. mehr »

Politik hat die Bedeutung der Arzneimittelforschung erkannt

Gute Versorgungsideen sind in der Politik willkommen, stellte Gesundheitsminister Jens Spahn bei der Springer Medizin Gala zum Galenus-von-Pergamon-Preis klar. mehr »