Ärzte Zeitung online, 20.02.2013

Lagerungsschwindel

Befreiungsdreh für Vertigo-Patienten

Bei einem anfallsartigen Lagerungsschwindel kann Patienten mit dem Canalith-Manöver geholfen werden. Vor allem jüngere Patienten profitieren - wenn das Manöver leicht modifiziert wird.

Befreiungsdreh für Vertigo-Patienten

Schwindelig?

© ccdevice / fotolia.com

HERAKLION. Das Canalith-Repositionsmanöver zur konservativen Therapie von Patienten mit benignem paroxysmalem Lagerungsschwindel kommt vor allem Jüngeren zugute.

In einer prospektiven griechischen Studie zwischen 1995 und 2010 mit fast 1000 Patienten verschwanden die Beschwerden bei 85 Prozent schon nach der ersten Behandlung - vorausgesetzt, sie hatten kein Kopftrauma und keine vestibuläre Neuropathie in der Anamnese.

An der Studie der HNO-Ärzte und Neurologen um Dr. Emmanuel Prokopakis vom Uniklinikum in Heraklion nahmen 965 Patienten im Alter zwischen 18 und 87 Jahren teil, bei denen entweder der Dix-Hallpike- oder der Roll-Provokationstest positiv war (Audiol Neurotol 2013; 18: 83).

Die Dauer der Beschwerden lag zum Zeitpunkt der Diagnose zwischen einem Tag und 18 Monaten. Das Follow-up in der ersten Phase nach der Therapie betrug zwischen zwei und sieben Tagen.

Das Langzeit-Follow-up, bei dem die Patienten alle sechs Monate telefonisch kontaktiert wurden, lag im Mittel bei 74 Monaten.

Bei ihrer Therapie stützten sich die Ärzte auf die weithin akzeptierte Canalolithiasis-Hypothese, nach der die Drehschwindelattacken durch frei im Bogengang bewegliche Kalzitkristalle, die Otokonien, ausgelöst werden.

Prokopakis und seine Kollegen wendeten das Lagerungsmanöver nach Epley bei Patienten mit Beteiligung der posterioren und anterioren Bogengänge an sowie das Barbeque-Manöver bei Beteiligung des horizontalen Bogengangs.

Allerdings veränderten sie beide Manöverarten leicht. So mussten die Patienten zum Beispiel jeweils nach einer Drehung des Kopfes um 90 Grad statt einer Minute jeweils drei Minuten lang in der jeweiligen Position verharren.

Die Rotationen wurden so lange wiederholt, bis kein Schwindel oder Nystagmus mehr ausgelöst wurde.

Bis zu einer erneuten Untersuchung nach zwei bis sieben Tagen sollten die Patienten sich nicht bücken, den Kopf nicht weit nach oben oder unten bewegen und zwei Tage lang nicht auf dem Rücken liegen beziehungsweise schlafen.

Mit 849 Patienten (88 Prozent) lag bei den meisten eine Beteiligung des posterioren Bogengangs vor. Deutlich seltener beteiligt waren der horizontale Bogengang (96 Patienten, zehn Prozent) und - wie erwartet - der anteriore Bogengang (20 Patienten, zwei Prozent).

Bei insgesamt 819 Patienten (85 Prozent) verschwanden die Symptome bereits nach dem ersten Befreiungsmanöver, bei 88 Patienten (neun Prozent) erst nach der zweiten Reposition, und nur bei 19 Patienten (zwei Prozent) waren mehr als drei Behandlungen erforderlich.

Bei knapp sechs Prozent musste die Behandlung wegen therapiebedürftiger schwerer Übelkeit und Schwindelsymptomen unterbrochen werden. Insgesamt 756 Patienten konnten durch die Befreiungsmanöver geheilt werden.

Der Anteil der Patienten über 70 Jahre, bei denen erneut Befreiungsmanöver erforderlich waren, war im Vergleich zur Situation bei den jüngeren Patienten deutlich erhöht.

So war die Rezidivrate bei jüngeren im Vergleich zu den älteren Patienten nach fünfzehn Jahren nur halb so groß. Das bestätige Beobachtungen in früheren Studien, so Prokopakis und seine Kollegen. (ple)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Welche Reformen sind dringend notwendig?

Bürgerversicherung, Regressrisiko, GOÄ: Unsere Leser haben abgestimmt, welche Themen in der Gesundheitspolitik die nächste Bundesregierung unbedingt anpacken sollte. mehr »

Patienten sollen für Infos zahlen

Patienten und Angehörige sind bei beratungsintensiven Erkrankungen häufig hilflos. Viele Akteure versuchen, neutrale Angebote im Internet bereitzustellen. Ein Biologe will nun Beteiligte auf einer Plattform zusammenführen. mehr »