Ärzte Zeitung, 11.02.2013
 

Studie gestartet

Uni Frankfurt sucht Patienten mit PTBS

Beeinflusst eine Posttraumatische Belastungsstörung das Verhalten in Vertrauenssituationen?

FRANKFURT/MAIN. Nach einem traumatischen Erlebnis berichten Menschen manchmal von Schwierigkeiten, Vertrauen aufzubauen. An der Uni Frankfurt wird jetzt erforscht, ob dies Folge oder Ursache ihrer Erkrankung ist.

Die Studie könnte dazu beitragen, die biologischen Risikofaktoren für die Entstehung einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) besser zu verstehen und langfristighelfen, die Psychotherapie und medikamentöse Therapie besser an individuelle Bedürfnisse von Patienten anzupassen, teilt die Uni Frankfurt dazu mit.

Für die bereits angelaufene Studie werden noch Erwachsene mit PTBS , die bei der Studie sogar Geld verdienen könnengesucht.Eine Posttraumatischen Belastungsstörung kann nach einem traumatischen Ereignis eintreten, bei dem man starke Angst, Hilflosigkeit oder Entsetzen verspürt hat.

Anschließend tauchen immer wieder Bilder oder Gedanken an das Erlebnis auf oder man vermeidet Reize und Situationen, die daran erinnern könnten. Weitere Merkmale sind Durchschlafprobleme, Konzentrationsstörungen oder Wutausbrüche, die vorher nicht bestanden.

Um von einer Posttraumatischen Belastungsstörung zu sprechen, sollten die Symptome mindestens seit einem Monat bestehen.Ob sich Menschen mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung in Vertrauenssituationen tatsächlich anders verhalten, möchten die Psychologen der Abteilung für Allgemeine Psychologie und der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe Universität herausfinden, indem sie das "Bindungshormon" Oxytocin untersuchen.

Es hat eine stress- und angstmindernde Wirkung und fördert das Vertrauen zwischen Menschen. Da sich Menschen genetisch darin unterscheiden, wie viel Oxytocin in ihrem Körper verfügbar ist und wie dieses verarbeitet wird, könnte dies abweichendes Verhalten erklären.

Auch die genetische Ausprägung des Oxytocinrezeptors könnte dabei eine Rolle spielen. Die Teilnehmer sollen einen finanziellen "Tauschhandel" mit einer ihnen nicht bekannten Person eingehen. Durch diesen Tauschhandel kannin Abhängigkeit von den Entscheidungen der beiden Tauschpartner echtes Geld verdient werden.

Im Anschluss sind kurze Fragebögen auszufüllen. Am Ende werde eine Speichelprobe abgenommen, um die genetische Variante des Rezeptors für das "Bindungshormon" Oxytocin zu bestimmen, heißt es in der Mitteilung.

Zusätzlich zu dem Geld, das im Tauschhandel erspielt wird, bekomme jeder Teilnehmer eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 12 Euro. (eb)

Infos bei: Christine Anderl, Abteilung für Allgemeine Psychologie I, Campus Bockenheim, Tel. 0176-95 511511, studie-tauschhandel@stud.uni-frankfurt.de

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