Ärzte Zeitung, 22.08.2014

Pädiatrie

Seelische Leiden oft zu spät entdeckt

Psychische Störungen bei Kindern werden zu spät erkannt, sagen Experten. Sie fordern, bereits bei den Früherkennungsuntersuchungen auf psychische Probleme zu achten.

WÜRZBURG/BERLIN. Seelische Erkrankungen bei Kindern könnten weit früher entdeckt werden, wenn die Vorsorgeuntersuchungen erweitert würden.

Dies ist das Fazit, das auf der Veranstaltung "Seelische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland" der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) e.V. vor Kurzem in Berlin gezogen wurde.

"Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen und Störungen dürfen nicht weiter ausgegrenzt werden. Sie haben ein Recht darauf, am normalen Alltag teilzunehmen, und brauchen diesen sozialen Kontakt auch", betonte Professor Hans Michael Straßburg, stellvertretender Sprecher der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendmedizin.

Einig waren sich die Experten darin, dass für eine differenzierte Diagnostik - etwa von Depressionen, Angststörungen, Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störungen oder Autismus - in jedem Fall spezielle Kenntnisse und ausreichend Zeit von mindestens 90 Minuten im Erstkontakt erforderlich seien.

An erster Stelle stehe bei der Therapie die Beratung und eine gezielte Schulung der Eltern. An zweiter Stelle der Einsatz psychotherapeutischer Methoden, oft auch in Gruppen.

Erst danach folge der Einsatz von Medikamenten.

Am wichtigsten sei es jedoch, psychische Störungen rechtzeitig genug zu erkennen. Um dies sicherzustellen, sei eine Änderung des Paragrafen 26 SGB V notwendig.

Darin sind Früherkennungsuntersuchungen bei Kindern geregelt. Der Paragraf müsse angepasst werden, weil darin bislang primär die Erkennung körperlicher Erkrankungen und geistiger Entwicklungsstörungen vorgesehen ist.

"Dies muss unbedingt um die Erkennung psychischer Störungen erweitert werden", fordert Hans Michael Straßburg. (ras)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Weniger Kardiologen = mehr Herztote?

In Bundesländern mit weniger niedergelassenen Kardiologen sterben mehr Patienten an Herzerkrankungen, so der aktuelle Herzbericht. mehr »

Personalmangel in der Pflege gefährdet Patienten

17.18Die Gesundheitspolitik der künftigen Regierung wird einen Schwerpunkt bei Pflege setzen müssen. Davon zeigen sich Fachleute im Vorfeld des Kongress Pflege überzeugt. mehr »

Fehlerquelle Datenschutzerklärung

Die meisten Praxis-Websites von Haus- und Fachärzten erfüllen nicht die gesetzlichen Anforderungen. Das legt eine aktuelle Studie nah. mehr »