Ärzte Zeitung, 12.12.2014

Stressprävention: Programm für Sportler

Ein Stresspräventionstraining bietet Hilfe für Leistungssportler. Fast alle Teilnehmer einer Evaluation bewerteten es als nützlich.

Von Friederike Klein

BERLIN. In Heidelberg wurde ein Stresspräventionsprogramm für Sportler entwickelt, das aktuelle Kenntnisse zu Schutz- und Risikofaktoren eines chronischen Erschöpfungssyndroms bei Sportlern berücksichtigt.

Erste Ergebnisse der Evaluationsstudie zeigen: Das Programm ist machbar, aber alleine möglicherweise nicht ausreichend.

Die Studie wurde im Rahmen des Kompetenzzentrums Prävention psychischer und psychosomatischer Störungen in der Arbeits- und Ausbildungswelt durchgeführt. Die Forscher gingen dabei aktiv auf Trainingseinrichtungen und Sportinternate zu, um Freiwillige für den Test des Programms zu gewinnen.

Die Teilnehmer waren im Mittel 17 Jahre alt, trainierten mindestens fünf Mal pro Woche und hatten in ihrem Sport mindestens nationales Niveau erreicht.

Angeboten wurde eine wöchentliche Gruppenintervention mit sechs bis zehn Sportlern über 6 x 30 Minuten, an der insgesamt 38 Sportler teilnahmen, in eine Kontrollgruppe wurden 44 Sportler randomisiert.

Die größte Herausforderung war, einen Modus zu finden, der im Trainingsalltag realistisch war und nicht noch zusätzlichen Stress erzeugte, wie Professor Philipp Thomann, Heidelberg, beim DGPPN-Kongress in Berlin berichtet hat.

Dazu wurde die Intervention an der Trainingsstätte bzw. im Sportinternat eingepasst ins Trainingsprogramm oder in der Mittagspause durchgeführt.

  • Stunde 1: Was ist Stress? / Positive Aspekte von Stress / Modell zur Stressentstehung / Akute Stressreaktion
  • Stunde 2: Modell Situation - Gedanke - Gefühl - Verhalten mit Interventionsmöglichkeiten / Langfristige Folgen von chronischem Stress
  • Stunde 3: Entspannung - Vorstellung verschiedener Verfahren / Zehn Minuten Progressive Muskelrelaxation nach Jakobsen von CD
  • Stunde 4: Balance, Ausgleich: Was kostet Kraft? / Was gibt mir Kraft, Unterstützung? / Bedeutung soziales Netz / Anzeichen, Folgen, Lösung Übertraining
  • Stunde 5: Achtsamkeit - Definition, praktische Übungen
  • Stunde 6: Warum macht ihr Leistungssport? / Extrinsische und intrinsische Motivation / Gefahr Burnout / unterstützende Faktoren Kompetenz, Autonomie, Zugehörigkeit

Die Teilnehmer bewerteten das Programm anschließend durchschnittlich mit der Schulnote 2,28. Zwei Drittel würden das Programm mit der Note 1 oder 2 weiterempfehlen und die überwiegende Mehrheit (89 Prozent) empfand es als nützlich.

Thomann berichtete, dass ein signifikanter Wissenszuwachs zu belegen war, den es in der Kontrollgruppe nicht gab.

Auch die Selbstwirksamkeitserwartung der Interventionsteilnehmer hatte sich verbessert, nicht aber die Selbstwirksamkeitserwartung der Kontrollprobanden. Ob die Probanden das Gelernte im Sportalltag weiter anwenden, ist unbekannt.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Künstliches Pankreas punktet im Alltag

Ein „closed loop“ aus sensorgestützter Glukosemessung und Insulinpumpe kann die Stoffwechseleinstellung bei Diabetes deutlich verbessern, zeigt eine US-Studie auf. mehr »

Kontroverse um Spahns Gesetz für besseren Masernschutz

Der Bundestag hat in erster Lesung das geplante Masernschutzgesetz debattiert. Die Opposition kritisiert, das Gesetz atme zu viel Zwang und Sanktion. mehr »

Tuberkulose bleibt die infektiöse Todesursache Nummer 1

Inzidenz und Mortalität der Tuberkulose gehen einem WHO-Report zufolge weltweit zurück. Die für 2020 angestrebten Ziele sind trotzdem außer Reichweite. mehr »