Ärzte Zeitung, 02.06.2015

Studie deckt auf

Das macht Männer zu Kinderschändern

Männer mit pädophiler Neigung, die Kindesmissbrauch begehen, weisen Veränderungen im Gehirn auf. Diese bahnbrechende Erkenntnis eines internationalen Forscherteams könnte die Prävention deutlich voranbringen.

Von Angela Mißlbeck

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Forscher sind der Ursache dafür, warum Männer Kindesmissbrauch begehen, ein großes Stück näher gekommen.

© Gerhard Seybert / fotolia.com

BERLIN. Wer tut so etwas? Wie kann man so etwas nur machen? Diese Aufschreie gellen bei jeder Meldung über sexuellen Missbrauch an Kindern durch die Öffentlichkeit. Eine Antwort hat jetzt die medizinische Forschung gefunden: Männer mit pädophiler Neigung, die Kindesmissbrauch begehen, weisen charakteristische neurobiologische Veränderungen auf.

Das ist das erste zentrale Ergebnis einer dreijährigen Studie des Forschungsverbundes NeMUP ("Neural Mechanisms Underlying Pedophilia). Beteiligt: Die Charité und die Unis Duisburg-Essen, Hannover, Kiel und Magdeburg.

Für den Zusammenhang von Pädophilie und Täterschaft spielt demnach offenbar das Volumen des Mandelkernes im Hirn eine Rolle. Auch andere Hirnregionen zeigen Volumenunterschiede, jedoch nicht so deutlich.

"Damit scheinen objektivierbare Befunde bei Männern mit sexuellen Präferenzbesonderheiten in greifbare Nähe zu rücken", so Professor Henrik Walter, Direktor des Forschungsbereiches "Mind and Brain" an der Charité.

Nicht jeder Pädophile begeht Missbrauch

Die Forscher des NeMUP-Verbundes gehen davon aus, dass Pädophilie und Kindesmissbrauch verschiedenen Mechanismen unterliegen. Denn einerseits begeht nicht jeder Pädophile sexuellen Kindesmissbrauch.

Andererseits ist nur etwa jeder zweite wegen Kindesmissbrauch verurteilte Täter pädophil.

Deshalb unterscheidet die Studie NeMUP zwischen vier Gruppen von Männern: Pädophile, die keinen Missbrauch begangen haben, Pädophile, die zum Täter werden, Missbrauchstäter ohne pädophile Neigungen und Männer, die nicht pädophil sind und keinen Missbrauch begangen haben.

Mehr als 240 Männer haben die Forscher in diese vier Gruppen eingeteilt. Sie wurden mit bildgebenden, psychometrischen und physiologischen Methoden untersucht.

Die vergleichsweise große Zahl von Studienteilnehmern entsteht aus der bislang weltweit einzigartigen Zusammenarbeit von ambulant-klinischen Präventionseinrichtungen im Rahmen des Netzwerks "Kein Täter werden" und Einrichtungen des Straf- und Maßregelvollzugs.

Hirnregionen sind wohl beeinflussbar

"Die Erkenntnisse, die in der dreijährigen Forschungsarbeit gewonnen wurden, bestätigen unsere These, dass eine pädophile Neigung nicht gleichzusetzen ist mit sexuellem Kindesmissbrauch", so der Berliner Sexualwissenschaftler Professor Klaus Beier, der das Netzwerk "Kein Täter werden" initiiert hat.

Beier weiter: "Es gibt im Gehirn eigene Regionen, welche für die Verhaltenskontrolle zuständig sind. Diese sind für die Risikoeinschätzung von besonderem Interesse."

Nach den Erkenntnissen aus dem Präventionsprojekt geht Beier davon aus, dass diese Hirnregionen beeinflussbar sind. Er hofft auch, dass damit Therapieeffekte durch neurobiologische Marker objektiv nachgewiesen werden können.

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