Ärzte Zeitung, 09.06.2015

Studie zeigt

Auch Gesunde haben Halluzinationen

Auch psychisch gesunde Menschen können gelegentlich unter Halluzinationen oder Wahnvorstellungen leiden - das ist nicht unbedingt Grund zur Sorge, wie Forscher jetzt herausgefunden haben. Wer allzu oft solche Erlebnisse hat, sollte allerdings Hilfe suchen.

Auch Gesunde haben Halluzinationen

Auch psychisch gesunde Menschen können gelegentlich unter Halluzinationen leiden.

© Rynio Productions / fotolia.com

BRISBANE. Im World Mental Health Survey wurden in Deutschland und 17 weiteren Staaten repräsentative Stichproben der Bevölkerungen zur psychischen Gesundheit erhoben.

Die Probanden wurden dabei auch nach psychotischen Erlebnissen irgendwann im Leben gefragt, wie Halluzinationen (visuell, akustisch), Gedankeneingebung oder -entzug oder einem Gefühl des Fremdgesteuertseins.

Die Analyse basiert auf Angaben von 31.261 psychisch gesunden Personen (Deutschland: 408), wie Psychiatriespezialisten um Dr. John McGrath von der University of Queensland in Australien berichten (JAMA Psychiatry 2015, online 27. Mai).

Nicht berücksichtigt wurden Angaben von Teilnehmern, bei denen es Hinweise auf eine psychotische Krankheit gegeben hatte.

Frauen halluzinieren häufiger

Errechnet wurde eine Lebenszeitprävalenz psychotischer Erlebnisse von 5,8 Prozent (Deutschland: 2,8 Prozent). Von Halluzinationen berichteten 5,2 Prozent (1,8 Prozent) und von Wahnvorstellungen 1,3 Prozent (1,3 Prozent).

Bei 32,2 Prozent war es bei einer einzigen solchen Episode geblieben, weitere 31,8 Prozent hatten zwei- bis fünfmal ein psychotisches Erlebnis gehabt.

In Ländern mit mittlerem oder hohem Einkommen war die Prävalenz höher als in ärmeren Ländern. Frauen waren öfter von Halluzinationen betroffen als Männer.

Personen, die wenig verdienten, unverheiratet oder arbeitslos waren, berichteten ebenfalls vermehrt über psychotische Erlebnisse. Migranten waren seltener betroffen als die angestammte Bevölkerung.

Trotz der Lebenszeitprävalenz von 5,8 Prozent seien psychotische Erlebnisse als selten zu bewerten, so die Forscher. Bei den meisten Betroffenen bleibe es nämlich bei einer oder wenigen Episoden. "Man sollte die Menschen beruhigen", betont McGrath.

"Wenn ihnen das ein- oder zweimal passiert, heißt das nicht unbedingt, dass etwas mit ihnen nicht in Ordnung wäre." Wer allerdings regelmäßig psychotische Erlebnisse habe, sollte Hilfe in Anspruch nehmen. (rb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wenn Komplementärmedizin für Krebskranke tödlich wird

Krebspatienten, die zusätzlich unbewiesene Heilverfahren nutzen, verschlechtern wohl ihre Überlebenschance. Die Erklärung ist nicht in der Komplementärmedizin selbst zu suchen. mehr »

Kurskorrektur in der Alzheimerforschung?

Offenbar entzieht sich das Gehirn bei Morbus Alzheimer dem Immunsystem. Checkpoint-Hemmer aus der Krebstherapie könnten dies verhindern. Bei Mäusen klappt das schon. mehr »

Carvedilol für alte Diabetiker? Besser nicht!

Erhalten pflegebedürftige Diabetiker nach Herzinfarkt einen "diabetikerfreundlichen" Betablocker, sinkt zwar die Gefahr von Hyperglykämien. Ins Krankenhaus müssen sie trotzdem häufiger. mehr »