Ärzte Zeitung, 31.07.2015

Forscher zeigen

Trans-Fette schaden dem Gedächtnis

Trans-Fettsäuren stecken in Fast Food, Snacks und Keksen. Wer zu viel davon konsumiert, hat ein schlechteres Gedächtnis. Das belegt eine aktuelle Studie.

Von Christine Starostzik

Trans-Fette schaden dem Gedächtnis

Vergessen: Der in einer Studie ermittelte Gedächtnisverlust könnte bei Erwachsenen durch prooxidative Wirkungen sowie energetische Nachteile einer trans-fettsäurereichen Kost begünstigt worden sein.

© Andrea Danti / fotolia.com

SAN DIEGO. Trans-Fettsäuren aus der Nahrung (dTFA, ungesättigte Fettsäuren mit einer oder mehreren Doppelbindungen in trans-Konfiguration) werden schon länger negative Effekte auf die allgemeine Gesundheit einschließlich der Herzgesundheit, auf Lipidprofil, Metabolismus, Insulinresistenz und Entzündungsgeschehen nachgesagt.

All diese möglichen Auswirkungen können wiederum im Zusammenhang mit einer verminderten kognitiven Funktionsfähigkeit stehen. Zudem blockieren dTFAs die Produktion antiinflammatorischer langkettiger Omega-3-Fettsäuren und verstärken den oxidativen Stress in den Zellen.

Fastfood, Kekse und Brotaufstriche

Trans-Fettsäuren finden sich vor allem in Fast-Food-Produkten, Backwaren, Snacks, frittierten Speisen, Keksen, Waffeln und Brotaufstrichen.

Um festzustellen, ob Trans-Fettsäuren möglicherweise einen schlechten Einfluss auf das Erinnerungsvermögen haben, analysierten Beatrice Golom und Alexis Bui von der University of California in San Diego Daten der UCSD-Statin-Studie von 1018 gesunden erwachsenen Männern und Frauen aus den Jahren 1999 bis 2005.

Die aufgenommenen dTFAs wurden in g/Tag ermittelt. Zudem unterzogen sich die Probanden einem Test, in dem sie bei der Präsentation von Wörtern erkennen mussten, ob diese neu waren oder zum wiederholten Male gezeigt wurden.

Als mögliche Störfaktoren wurden in verschiedenen adjustierten Modellen Alter, körperliche Aktivität, Ausbildung, Ethnie, Schokoladenverzehr sowie die Gemütslage berücksichtigt (PLoS ONE 2015; online 17. Juni).

20- bis 85-jährige Männer erkannten von 104 Wörtern durchschnittlich 85 richtig als neu oder wiederholt. Dabei ergaben sich keine eindeutigen altersbedingten Unterschiede (< 45 Jahren: 86 Wörter, ≥ 45 Jahren: 85 Wörter).

Besonders viele Trans-Fettsäuren nahmen die jüngeren Männer unter 45 Jahren mit ihrer Nahrung auf (durchschnittlich 4,1 g/d vs. 3,7 g/d bei den Älteren).

In den adjustierten Analysen bestätigten sich durchgehend die negativen Effekte des Trans-Fettkonsums auf die Erinnerungsleistung der unter 45-jährigen Erwachsenen. Jedes täglich aufgenommene Gramm an Trans-Fettsäuren war mit einem Erinnerungsverlust von 0,76 Wörtern assoziiert.

Deutlich schlechter im Erinnerungstest

Einen jungen Mann etwa, der die maximal angegebene Menge von 15,7 g dTFA täglich zu sich nahm, kostete seine Essgewohnheit den Berechnungen der Autoren zufolge elf bis zwölf Wörter im Vergleich zu seinen Altersgenossen.

Zwar wurden überwiegend die Daten männlicher Probanden ausgewertet, doch auch wenn Frauen unter 45 einbezogen wurden, änderte sich in den voll adjustierten Modellen nichts an den signifikanten Ergebnissen.

Bei den Probanden über 45 Jahre konnte dagegen kein Zusammenhang zwischen Trans-Fettsäureaufnahme und Erinnerungsvermögen festgestellt werden. Auch andere Einflüsse (Schokoladenkonsum, Stimmungslage und Ethnie) verloren bei den Älteren ihre Signifikanz.

Die Adjustierung weiterer Variabler wie HDL, LDL, Triglyzeride, Glukose und Insulin veränderte den Zusammenhang zwischen dTFAs und Gedächtnisleistung nicht wesentlich.

Als die Autoren allerdings den systolischen Blutdruck, Taillenumfang und Body-Mass-Index (BMI) in die Analyse einbezogen, verlor der Einfluss der dTFA deutlich an Gewicht. Wurden diese Störfaktoren einzeln oder gemeinsam berücksichtigt, blieb die Signifikanz nur knapp erhalten.

Prooxidative Wirkungen sowie energetische Nachteile einer trans-fettsäurereichen Kost könnten möglicherweise in Verbindung mit weiteren Faktoren in kausalem Zusammenhang mit einer schlechteren Gedächtnisleistung stehen, so Golomb und Bui.

Die Ergebnisse dieser Studie erweiterten die bisherigen Befunde zum negativen Einfluss von dTFAs auf das Verhalten und die Stimmung um eine dritte Säule im Zentralnervensystem, die Kognition.

Sie stimmten zudem mit aktuellen Bewegungen der FDA überein, die Bezeichnung "allgemein als sicher anzusehen" für dTFAs aufzuheben, so die Autoren.

[01.08.2015, 15:34:38]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Danke Ärzteblatt!!! Das ist nicht neu, deshalb sollten die für Nahrungsmittel verboten sein,
wie in Dänermark und NewYork, leider immer noch nicht in der EU und Deutschland!!! Eine Schande. zum Beitrag »

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