Ärzte Zeitung online, 06.12.2016
 

Soldaten im Einsatz

Immer mehr psychiatrische Erkrankungen

Die Zahl "einsatzbedingter psychiatrischer Störungen" ist im vergangen Jahr wieder gestiegen.

BERLIN. Die Zahl der Bundeswehrsoldaten, die wegen psychiatrischer Erkrankungen in ärztlicher Behandlung sind, nimmt nach einem Medienbericht wieder zu.

Im Jahr 2015 wurden demnach 694 Soldaten wegen einer "einsatzbedingten psychiatrischen Störung" behandelt, 2014 waren es 645 Soldaten, berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf eine Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion. Im Jahr 2013 hatte die Zahl der Soldaten in Behandlung allerdings 1085 betragen.

Die Linke kritisierte den Umgang der Bundeswehr mit psychiatrischen Erkrankungen. "Angesichts der weiterhin hohen Belastung für Soldatinnen und Soldaten in Auslandseinsätzen befürchte ich, dass die Angst vor Stigmatisierung und Karrierenachteilen die wirkliche Ursache für den scheinbaren Rückgang der Behandlungszahlen ist", sagte Linken-Fraktionsvize Frank Tempel mit Blick auf die Entwicklung von 2013 bis 2015.

"Die Bundesregierung muss die Akzeptanz für professionelle Hilfsangebote bei psychiatrischen Erkrankungen wie Trauma und Sucht zielgruppenspezifisch verbessern." (dpa)

[07.12.2016, 15:26:48]
Thomas Georg Schätzler 
Das ist natürlich Unfug!
ICD-10-GM-2016 > F00-F99, Kapitel V, beschreibt mit dem Oberbegriff
"Psychische und Verhaltensstörungen
Inkl.: Störungen der psychischen Entwicklung.
Exkl.: Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
Info.: F00-F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen" ohne jeden Zweifel auch psychiatrische Diagnosen und Krankheiten:
"F10-F19 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
F20-F29 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
F30-F39 Affektive Störungen
F40-F48 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
F50-F59 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
F60-F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
F70-F79 Intelligenzstörung
F80-F89 Entwicklungsstörungen
F90-F98 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
F99-F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen"
http://www.icd-code.de/icd/code/F00-F99.html

Das sollte auch ein Psychologischer Psychotherapeut wissen!
ICD-10-GM-2016 F43.1 ist z. B. die "Posttraumatische Belastungsstörung".
Von "Wer diese unbedacht psychiatrisiert und damit in Richtung Macke schiebt" also keine Spur.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[06.12.2016, 15:01:14]
Richard Barabasch 
Logisches Denken und emotionales Denken
Immer noch verführt all das, was irgendwo die Silbe "psych-" auch nur andeutet zu E-Motion = weg-Bewegung . . . ., statt zur In-Motion = hin-Bewegung. Und kommt's dass dann ein abgeordneter sich emotional berufen fühlt, seine (unterstellte) Logig-Fähigkeit vor dem medialen "Sich-Einlassen" zu missachten. Herr Nitz hat den eindeutig klaren Sachverhalt benannt : psychisch ist nicht psychiatrisch und eine nachvollziehbare Aufarbeitung im Gemüt ist nicht DSM / ICD - pflichtig und schon gar nicht zwingend krankhaft, auch wenn es oppositionspolitisch "in den Kram passt",
meint
R.B. zum Beitrag »
[06.12.2016, 13:32:53]
Horst Nitz 
nomen est omen?
"Angesichts der weiterhin hohen Belastung für Soldatinnen und Soldaten in Auslandseinsätzen befürchte ich, dass die Angst vor Stigmatisierung und Karrierenachteilen die wirkliche Ursache für den scheinbaren Rückgang der Behandlungszahlen ist", sagte Linken-Fraktionsvize Frank Tempel mit Blick auf die Entwicklung von 2013 bis 2015.

Einsatzbezogene psychische Störungen werden nach ICD-10 Kapitel V (F)diagnostisch klassifiziert. Im Klartext: der internationalen Klassifikation psychischer Störungen; n i c h t psychiatrischer Störungen. Krankheitswertige Reaktionen nach Extremereignissen oder Kampfeinsätzen sind angesichts der auslösenden Umstände normale bzw. verständliche Reaktionen. Wer diese unbedacht psychiatrisiert und damit in Richtung Macke schiebt, darf sich über mangelnde Akzeptanz von Behandlungsangeboten und Angst vor Stigmatisierung und Karrierenachteilen - trotz gut gemeinter Absichten wie im Falle des oben zitierten Abgeordneten - nicht wundern. zum Beitrag »

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