Ärzte Zeitung, 28.02.2017
 

Vernachlässigung

Rumänische Waisen leiden auch noch als Erwachsene

LONDON. Werden Kinder in jungen Jahren stark vernachlässigt, leiden sie auch als Erwachsene noch unter den psychischen Folgen. Das hat die "English and Romanian Adoptees Study" ergeben, die 1990 nach dem Sturz des kommunistischen Regimes in Rumänien gestartet worden war. Teilnehmer sind 165 von englischen Familien adoptierte Kinder. Diese hatten dort in Heimen gelebt, mit schlechter Hygiene, kaum Fürsorge und wenig zu essen. Nach der Adoption lebten sie in Großbritannien in stabilen Familien. Diese Gruppe wurde mit 52 Kindern verglichen, die innerhalb von Großbritannien adoptiert worden waren.

Mit Fragebögen, Gesprächen und IQ-Tests analysierten die Forscher um Professor Edmund Sonuga-Barke vom King's College in London soziale, emotionale und kognitive Probleme der Probanden. Im Alter von 22 bis 25 Jahren absolvierten noch drei Viertel von ihnen die Tests (Lancet 2017; online 22. Februar).

Ergebnis: Die psychische Gesundheit hing von der Dauer des Heimaufenthalts ab. Nur Kinder mit Aufenthalten ab sechs Monate hatten als Erwachsene Probleme. Dazu gehörten autistische Züge, Schwierigkeiten im sozialen Umgang und Aufmerksamkeitsprobleme. Auch die Entwicklung war verzögert: Der IQ lag im Schnitt unter 80, normalisierte sich jedoch im frühen Erwachsenenalter. Allerdings: Jedes fünfte Kind dieser Gruppe hatte keinerlei psychische Probleme. Hier wollen die Forscher anknüpfen und jetzt mögliche genetische und epigenetische Schutzfaktoren untersuchen. (eis)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »

Vorsorge für den Brexit – Ansturm auf das Aufenthalts-Zertifikat

Viele Gesundheitsfachkräfte aus EU-Ländern haben Großbritannien schon verlassen. Diejenigen, die bleiben wollen, versuchen nun, das "Settled-Status"-Zertifikat zu erlangen. mehr »