Ärzte Zeitung online, 15.03.2017

Neonatologie

Mehr extrem Frühgeborene ohne Entwicklungsstörungen

In den vergangenen Jahren ist der Anteil der extrem Frühgeborenen, die ohne Störungen der neurologischen Entwicklung überleben, leicht gestiegen. Das lassen die Ergebnisse einer US-Studie über mehr als eine Dekade vermuten.

Von Peter Leiner

zur Galerie klicken

Zwischen 2000 und 2011 ist die Überlebensrate von Extremfrühchen gestiegen. Das führen Studienautoren auf die verbesserte geburtshilfliche und neonatale Versorgung zurück.

© Fanfo / fotolia.com

DURHAM. Während des Jahrzehnts zwischen 2000 und 2011 ist bei Extremfrühchen zusätzlich zur Überlebensrate auch der Anteil jener Frühchen gestiegen, die keine neurologischen Entwicklungsstörungen davongetragen haben.

Diese Hypothese hatten Ärzte um die Perinatalmedizinerin Dr. Noelle Younge von der Duke-Universität in Durham im US-Bundesstaat North Carolina zunächst aufgestellt. Um ihre Theorie zu überprüfen, werteten sie die Daten des NICHD-NRNRegisters (Eunice Kennedy Shriver National Institute of Child Health and Human Development – Neonatal Research Network) aus.

Daten von 4200 Extremfrühchen

Sie fokussierten ihre Analyse dabei auf Frühchen, die im Gestationsalter zwischen 22 Wochen/0 Tage und 24 Wochen/6 Tage geboren worden waren. Daten zum Überleben und zum neurologischen Entwicklungsstatus wurden – nach Alterskorrektur – im Alter zwischen 18 und 22 Monaten ausgewertet (N Engl J Med 2017; 376:617-628).

Für die Studie mit den Befunden von mehr als 4200 extrem früh Geborenen an elf US-Zentren der Maximalversorgung wählten Younge und ihre Kollegen drei Zeiträume aus: zwischen den Jahren 2000 und 2003, zwischen 2004 und 2007 sowie zwischen 2008 und 2011.

Als Zeichen einer neurologischen Entwicklungsstörung berücksichtigten sie eine ganze Reihe von Veränderungen, darunter moderate bis schwere Zerebralparesen, Einschränkungen des Hör- und Sehvermögens sowie kognitive Einschränkungen, definiert als Bagley-III Cognitive Composite Score unter 85 (der Durchschnitt liegt zwischen 90 und 109).

Mehr Extremfrühchen überleben

Wie die Ärzte um Younge berichten, stieg der Anteil der Kinder, die überlebten, von 30 Prozent während des ersten Untersuchungszeitraums auf 36 Prozent im letzten.

Auch bei Betrachtung der Kinder, die im korrigierten Alter von 18 bis 22 Monaten keine Einschränkung der neurologischen Entwicklung hatten, konnte ein Anstieg innerhalb der Dekade verzeichnet werden: Der Anteil stieg von 16 Prozent auf 20 Prozent, ebenfalls ein signifikanter Unterschied.

Dies galt jedoch nicht für den Anteil der Extremfrühchen, bei denen neurologische Entwicklungsstörungen festgestellt worden waren. Er veränderte sich im Zeitraum von 2000 bis 2011 nur unwesentlich (15 versus 16 Prozent).

Die Erfolge, die während des Studienzeitraums erzielt wurden, führen Younge und ihre Kollegen auf die verbesserte geburtshilfliche und neonatale Versorgung zurück. So hätten sie zum Beispiel festgestellt, dass die Rate des postnatalen Glukokortikoidgebrauchs abgenommen hat.

Das gelte auch für spät auftretende Sepsis, posthämorrhagischen Hydrozephalus mit Shuntversorgung sowie bronchopulmonale Dysplasien. Von allen genannten Parametern sei bekannt, dass sie unabhängig mit Störungen der neurologischen Entwicklung zusammenhängen.

36%

der Extremfrühchen überlebten im Untersuchungszeitraum von 2008 bis 2011. Im Zeitraum zwischen 2000 und 2003 traf dies nur für 30 Prozent zu.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Resolution gegen DSGVO-Verunsicherung und Abmahn-Angst

Nach einer ersten Abmahnwelle in Bremen wächst bei Ärzten die Verunsicherung wegen der Datenschutzgrundverordnung. 60 Verbände und die KBV haben darauf nun reagiert. mehr »

Der kleine Unterschied ist größer als gedacht

Krankheiten verlaufen bei Männern und Frauen unterschiedlich, das ist bekannt. Die Gendermedizin deckt immer mehr die geschlechtsspezifischen Besonderheiten auf. mehr »

Neue Leitlinie stärkt medikamentöse ADHS-Therapie

In den neuen S3-Leitlinien zu ADHS wird die medikamentöse Therapie bei mittelschweren Symptomen gestärkt. Experten betonen aber, dass die Arzneien nur ein Teil eines umfassenden Therapiekonzepts sein dürfen. mehr »