Ärzte Zeitung online, 24.07.2017
 

Bade-Unfall

Sauerstoff bessert Hirnschaden

NEW ORLEANS. 15 Minuten befand sich eine Zweijährige nach Sturz in einen Pool unter Wasser. Sie erlitt einen Herzstillstand und musste 100 Minuten reanimiert werden. Ihr Hirn wurde schwer geschädigt. Trotzdem hat sich das Kind nach einigen Monaten erstaunlich gut erholt, berichten Ärzte um Paul Harch von der Uniklinik New Orleans.

Fast zwei Monate nach dem Unfall wurden dem Mädchen reiner Sauerstoff eingeflößt¨– zunächst ohne und später mit Überdruck. Nach der Therapie konnte es normal reden und wieder gehen.

Die weiße und graue Substanz im Gehirn, die durch den Unfall teilweise verloren gegangen war, war nach der Therapie wieder hergestellt, wie die Ärzte mit Magnetresonanztomographie feststellten.

Ein Monat nach dem Unfall hatte die kleine Eden Carlson nicht auf Reize reagiert und sich ununterbrochen gewunden. Fast zwei Monate nach dem Unfall begannen die Ärzte, das Mädchen der speziellen Sauerstoff-Therapie zu unterziehen.

Nach der Therapie konnte Eden den Ärzten zufolge wieder normal reden und - mit Unterstützung - auch wieder gehen. Die weiße und graue Substanz im Gehirn, die durch den Unfall teilweise verloren gegangen war, war nach der Therapie wieder hergestellt,

Dass sich das Gehirn des Mädchens nach einigen Monaten deutlich erholt hat, führen die Ärzte um Harch auf die Sauerstoff-Therapie zurück. Christoph Dodt, Präsident der Deutschen Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) sagt hingegen: "Dass eine Sauerstofftherapie nach zwei Monaten noch hilft, ist schwer zu glauben."

Er kann den Zusammenhang zwischen Therapie und Genesung nicht nachvollziehen. "Ich habe keine physiologische Erklärung dafür." Der Bericht der Ärzte um Harch mache nicht deutlich, ob die gute Entwicklung des Mädchens tatsächlich an der Therapie lag oder ob ihr Hirnschaden von Anfang an geringer war als angenommen. Man müsse nun in Studien untersuchen, ob die Sauerstoff-Therapie auch bei anderen Patienten einen Erfolg zeige.

Prinzipiell sei es nicht unüblich, dass kleine Kinder längere Zeit unter Wasser überleben können, sagt Dodt. Insbesondere dann, wenn das Wasser kalt sei. Der Pool von Edens Eltern hatte nur fünf Grad.

Laut Dodt ist es in Deutschland nicht etabliert, Hirnschäden mit dieser speziellen Sauerstoff-Therapie zu behandeln. Reinen Sauerstoff mit Überdruck bekämen hierzulande Menschen mit einer Kohlenmonoxid-Vergiftung – allerdings sofort und nicht Wochen später. (dpa)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »

Vorsorge für den Brexit – Ansturm auf das Aufenthalts-Zertifikat

Viele Gesundheitsfachkräfte aus EU-Ländern haben Großbritannien schon verlassen. Diejenigen, die bleiben wollen, versuchen nun, das "Settled-Status"-Zertifikat zu erlangen. mehr »