Ärzte Zeitung, 27.09.2017

Bei Kindern

Antikörper deuten auf Hirnerkrankung

WITTEN. Wenn Kinder eine hohe Konzentration von Antikörpern gegen Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein (MOG) im Blut zeigen, muss das nicht - wie bisher angenommen - ein Hinweis auf beginnende Multiple Sklerose (MS) sein, heißt es in einer Mitteilung der Uni Witten/Herdecke. Forscher haben gezeigt, dass Kinder mit MOG-Antikörper andere entzündliche Erkrankungen der weißen Gehirnsubstanz haben (Neurology 2017: 89; 9900-908).

Diese Entzündungen seien auch im weiteren Verlauf nicht mit einer MS assoziiert und stellten möglicherweise eine neue eigenständige Erkrankungsgruppe dar. Eine der Erkrankungen im Kindesalter, bei der sich MOG-Antikörper finden, ist die "akute demyelinisierende Enzephalomyelitis", heißt es weiter. Sie tritt häufig bei Kindern eine bis vier Wochen nach Virusinfektion auf. Die Symptome sind sehr vielfältig und reichen von Wesensveränderungen, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen und neurologischen Zeichen wie halbseitige Lähmungen und Sehproblemen. Ältere Kinder entwickeln oft eine einseitige Optikus Neuritis.

Bisher waren MOG-Antikörper in Verbindung mit MS gebracht worden, weil in Tiermodellen zur MS die Applikation von MOG-Antikörper zu einer Verschlechterung der Symptome geführt hat.

In der prospektiven Studie mit 220 Kindern stellten die Forscher außerdem fest, dass Kinder, die anhaltende hohe MOG-Antikörper im Serum aufweisen, eine hohe Wahrscheinlichkeit haben, weitere Episoden zu entwickeln und auf die Basistherapeutika, die in der kindlichen MS verwendet werden, sehr schlecht ansprechen. Weitere Untersuchungen seien nun notwendig, um die optimale immunmodulatorische Therapie für diese Kinder mit MOG-Antikörper zu finden, so die Uni. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So teilt sich die Arbeitszeit von Ärzten auf

Wie viel Zeit bringen Ärzte für GKV-Patienten auf, wie viel für Bürokratie? Wie sind die Unterschiede in Stadt- und Landpraxen und den Fachbereichen? Wir geben Antworten. mehr »

Ein Gelähmter kann wieder gehen

Ein querschnittsgelähmter Mann kann wieder einige Schritte gehen - dank der elektrischen Rückenmark-Stimulation. Von Heilung wollen die Ärzte aber nicht sprechen. mehr »

OTC-Gebrauch verfälscht Laborwerte

Die meisten Patienten nehmen gelegentlich freiverkäufliche Arzneimittel ein. Nur wenige legen das gegenüber ihrem Arzt offen. Das hat Folgen, etwa für die Interpretation von Laborergebnissen. mehr »