Ärzte Zeitung online, 19.12.2017

Rhinoplastik

Mit der Nase unzufrieden? Das kann auch an der Psyche liegen

Patienten mit psychischen Problemen empfinden nasale Obstruktionen oft schwerwiegender, als sie tatsächlich sind. Eine Op führt dann vielleicht nicht zur gewünschten Erleichterung.

Von Thomas Müller

Mit der Nase unzufrieden? Das kann auch an der Psyche liegen

Sind Patienten mit ihrer Nase unzufrieden, bewerten sie oft auch deren Funktion schlechter.

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SYDNEY. Plastische Chirurgen kennen das Problem: Da ist jemand mit seinem Äußeren nicht zufrieden und möchte dringend operiert werden. Obwohl die Op glückt und die gewünschten Veränderungen erzielt werden, bleiben die Betroffenen unzufrieden. Nicht selten steckt dahinter ein psychisches Problem.

Solche Aspekte sind offenbar auch bei der Rhinoplastik von Bedeutung: Ist das psychische Wohlbefinden beeinträchtigt, werden die Beschwerden bei vergleichbaren Funktionsparametern deutlich stärker empfunden als bei guter psychischer Gesundheit. Darauf deutet eine Untersuchung von 495 Patienten, die in zwei Kliniken in Sydney einen Nasenfunktionstest absolviert hatten, bevor sie sich einer Rhinoplastik aus funktionellen oder kosmetischen Gründen unterzogen (JAMA Facial Plast Surg 2017; 19: 369–77).

Starker Einfluss der Psyche

Ärzte um Dr. Erika Strazdins von der Universität in Sydney hatten alle Patienten unter anderem zum psychischen Wohlbefinden, zum Selbstwertgefühl und zu Körperschemastörungen befragt. Patienten mit weniger als 40 Punkten beim psychischen Teil des "Short Form Health Survey" wurde eine schlechte mentale Verfassung attestiert, weniger als 15 Punkte auf der "Rosenberg Self-Esteem Scale (RSES)" galten als Zeichen geringen Selbstbewusstseins, und mehr als elf Punkte nach dem "Dysmorphic Concerns Questionnaire" werteten die Ärzte als bedenkliche Körperwahrnehmung.

Die Nasenfunktion wurde über den maximalen inspiratorischen Atemstrom (nasal peak inspiratory flow, NPIF), den Atemwiderstand und den Mindestdurchmesser bestimmt. Anhand einer 100-Punkte-Analogskala konnten die Patienten zudem ihre subjektiven Beschwerden angeben (0 Punkte: keine Obstruktion, 100 Punkte: komplette Obstruktion).

9 Punkte stärker nahmen Patienten mit schlechtem mentalen Zustand die Probleme mit ihren Nasen wahr, auch wenn der Nasenfunktionstest keine wesentlichen Unterschiede ergab.

Die Patienten waren im Schnitt 37 Jahre alt und hatten einen BMI von 24. Der Frauenanteil betrug 61 Prozent, der Symptomwert auf der Analogskala lag im Schnitt bei 45 Punkten für die linke und 47 Punkten für die rechte Nasenöffnung.

145 Patienten wurde ein schlechter mentaler Zustand attestiert. Diese beurteilten ihre Symptome signifikant stärker als solche in gutem psychischem Zustand (51 versus 42 Punkte für die linke und 54 versus 45 Punkte für die rechte Seite). Auch bei zwei weiteren Symptomenscores ("Nasal Obstruction Symptom Evaluation Scale, NOSE" und "22-item Sinonasal Outcome Test, SNOT22") gaben sie signifikant stärkere Beschwerden an.

Kaum Unterschiede in der Funktion

Die Nasenfunktionstests ergaben jedoch keine wesentlichen Unterschiede. Zwar war der NPIF-Wert bei den Patienten in guter psychischer Verfassung signifikant höher (119 versus 107 Liter pro Minute), als klinisch relevant wird jedoch erst ein Unterschied ab 20 Litern pro Minute beurteilt.

Beim Atemwiderstand und beim Minimaldurchmesser gab es hingegen keine signifikanten Differenzen. 32 Prozent mit schlechter und 25 Prozent mit guter psychischer Verfassung waren schon zuvor an der Nase operiert worden, der Unterschied war aber nicht signifikant.

Nur 14 der Patienten hatten ein bedenklich niedriges Selbstwertgefühl. Sie empfanden ihre Symptome auf der Analogskala nicht wesentlich stärker als Patienten mit hohem Selbstvertrauen, der NOSE- und der SNOT22-Wert waren jedoch signifikant schlechter. Auch hier gab es keine statistisch belastbaren Unterschiede beim Atemwiderstand und Minimaldurchmesser, jedoch beim NPIF.

Die Autoren geben jedoch zu bedenken, dass diesem Unterschied bei nur 14 Patienten kaum zu trauen ist. 29 Prozent mit geringem und 13 Prozent mit hohem Selbstvertrauen waren zuvor bereits an der Nase operiert worden, der Unterschied war zwar signifikant, aber auch hier ist den kleinen Zahlen nicht zu trauen.

Keinerlei signifikante Unterschiede bei der Selbsteinschätzung der Symptome und den Nasenfunktionstests hatten hingegen Patienten mit Körperschemaauffälligkeiten – möglicherweise waren dies vor allem Patienten, die sich aus kosmetischen Gründen operieren lassen wollten.

Das Fazit der Autoren: "Selbstangaben von Patienten mit schlechter psychischer Gesundheit spiegeln häufig nicht die Nasenfunktion wider. Daher sollten sie von Chirurgen mit Vorsicht betrachtet werden."

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