Ärzte Zeitung online, 08.03.2019

Mäusestudie

So lassen sich Stammzellen wieder wecken

Forscher sind einem Ansatz auf der Spur, wie sich auch im Alter die Bildung neuer Nervenzellen anregen und Reparaturmechanismen im Gehirn einleiten lassen.

HEIDELBERG. Im Alter nimmt die Anzahl an Stammzellen im Gehirn von Mäusen dramatisch ab. Die verbleibenden schützen sich vor dem völligen Verschwinden, indem sie in Schlaf versinken, wie Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) nun veröffentlicht haben (Cell 2019, online 28. Februar).

Ein Team um die Stammzellexpertin Ana Martin-Villalba im DKFZ hat mit Kollegen von den Universitäten Heidelberg und Luxemburg den Rückgang der Stammzellen untersucht: „Das liegt daran, dass die meisten Stammzellen beim Ausdifferenzieren zu reifen Gehirnzellen verschwinden, nur ein kleiner Teil von ihnen erzeugt wieder neue Stammzellen“, wird sie in einer Mitteilung des DKFZ zitiert.

„Würden sie nicht mit dem Alter mehr und mehr in eine Schlafphase ohne Teilungsaktivität eintreten, wäre im Gehirn einer alten Maus der Vorrat an Stammzellen völlig aufgebraucht. Durch den Schlaf gewinnen sie gewissermaßen Zeit.“

Nicht nur die Anzahl schlafender Stammzellen steigt mit dem Alter, sondern sie lassen sich auch schwerer durch Notsignale wie etwa Verletzungen aus dem Schlaf aufwecken. Doch sind sie erst einmal aufgewacht, so sind sie bei der Produktion neuer Nervenzellen so leistungsfähig wie junge Stammzellen.

Das Team fand heraus, dass offenbar Entzündungsbotenstoffe und Signale der wichtigen Wnt-Signalkette aus der direkten Umgebung der Stammzellen, der so genannten „Nische“, schlaffördernd wirken. Werden diese Signale durch Antikörper unterbunden, steigt die Teilungsaktivität der neuralen Stammzellen wieder an und sie stellen sowohl mehr Nervenzellen für den Alltag als auch für Reparaturprozesse bereit.

„Zentral an unserer Arbeit ist die Erkenntnis, dass der durch Entzündungen geförderte Schlaf ein Schlüsselmerkmal der alternden Hirnstammzellen ist“, so Martin-Villalba in der Mitteilung weiter. „Doch Entzündungen lassen sich mit Medikamenten unterdrücken. Das ist vielleicht ein Ansatz, auch im Alter die Bildung neuer Nervenzellen anzuregen und Reparaturmechanismen im Gehirn einzuleiten.“ (eb)

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