Ärzte Zeitung, 08.11.2005

Duloxetin hilft auch alten Depressions-Patienten

Symptome werden rasch gelindert / Kognitive Fähigkeiten verbessern sich / Weniger Rückenschmerzen

AMSTERDAM (awa). Das neue Antidepressivum Duloxetin hilft auch depressiven Menschen über 65 Jahre schnell aus dem Stimmungstief. Zusätzlich werden die kognitiven Fähigkeiten verbessert und körperliche Schmerzen gelindert.

Darauf hat Dr. Joel Raskin vom Unternehmen Eli Lilly in Amsterdam hingewiesen. Rakin belegte dies mit den Ergebnissen einer kontrollierten Studie, an der mehr als 300 alte Patienten teilgenommen hatten. Die Patienten hatten eine mittelschwere Depression, die bereits länger als ein Jahr dauerte.

In der Studie erhielten 207 Patienten acht Wochen lang täglich 60 mg des Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmers Duloxetin (Cymbalta®), 104 Patienten erhielten Placebo. Die Patienten waren im Median 72 Jahre alt, der Wert auf der Hamilton-Depressionsskala (HAMD-17) lag zu Studienbeginn bei 19 Punkten.

    Bereits nach einem Monat vermindert sich die Depression.
   

Bereits nach einem Monat habe sich die Depression im Vergleich zu Placebo signifikant vermindert, sagte Raskin auf einer Veranstaltung der Unternehmen Eli Lilly und Boehringer Ingelheim in Amsterdam. Nach acht Wochen war der HAMD-17-Wert mit Duloxetin um 6,5 Punkte gesunken, mit Placebo um 3,7 Punkte. Es sprachen knapp 38 Prozent der Patienten auf die Therapie mit Duloxetin an, knapp 19 Prozent waren es mit Placebo.

Ansprechen wurde definiert als eine mindestens 50prozentige Abnahme des Punktwerts auf der HAMD-17-Skala. Eine Remission, das heißt weniger als sieben Punkte auf der Skala, erreichten in dieser Zeit 27 Prozent der Patienten mit Duloxetin und 15 Prozent mit Placebo.

Duloxetin verbesserte im Vergleich zu Placebo die Kognition signifikant, die Patienten aus der Verum-Gruppe schnitten vor allem besser bei Tests zum verbalen Lernen und Erinnerungsvermögen ab. Auch körperliche Depressions-Symptome wie Rückenschmerzen seien mit Duloxetin schnell gelindert worden, so Raskin.

Die Abbruchrate wegen unerwünschter Wirkungen lag mit Duloxetin (knapp 10 Prozent) ähnlich hoch wie mit Placebo (knapp 9 Prozent), obwohl es bei Duloxetin öfter unerwünschte Wirkungen gab. Am häufigsten waren dies Mundtrockenheit (14,5 Prozent mit Placebo versus 2 Prozent mit Duloxetin), Übelkeit (13 versus 4 Prozent), Verstopfung (10 versus 5 Prozent), Durchfall (8 versus 2 Prozent) und Schwindel (8 versus 3 Prozent). Wegen Unwirksamkeit haben mehr Patienten aus der Placebo-Gruppe die Studie abgebrochen (10 versus 3 Prozent mit Duloxetin).

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