Ärzte Zeitung, 04.04.2006

Johanniskraut hilft auch Kindern mit Depressionen

Aktuelle Metaanalyse bestätigt gute Verträglichkeit

MÜNCHEN (wst). Bei depressiven und psychovegetativen Störungen von Kindern und Jugendlichen werden pflanzliche Präparate von den meisten Eltern eher akzeptiert als synthetische Präparate. Ergebnisse von Anwendungsbeobachtungen sprechen für eine gute Wirksamkeit für standardisierte Johanniskraut-Präparate bei Jugendlichen.

Darauf hat Dr. Marcus Mannel, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, aus Berlin hingewiesen. Auf einer Pressekonferenz des Unternehmens Lichtwer Healthcare in München stellte Mannel eine multizentrische Anwendungsbeobachtung mit 101 Kindern unter 12 Jahren vor.

Sie hatten aufgrund depressiver oder psychovegetativer Symptome vier bis sechs Wochen lang täglich 300 bis 1800 mg des Johanniskrautpräparates LI 160 (Jarsin®) erhalten. Wirksamkeit und Verträglichkeit wurden alle zwei Wochen von Ärzten und Eltern beurteilt.

Die Wirksamkeit wurde schon nach 2 Wochen bei 72 Prozent der Kinder als gut oder sehr gut eingeschätzt. Nach vier Wochen wurde das gleiche Urteil für 97 Prozent der Kinder und nach sechs Wochen sogar für alle Kinder abgegeben.

Auch die Antriebsarmut, Schlafstörungen, Erschöpfung, Niedergeschlagenheit und Lustlosigkeit verschwanden bei praktisch allen betroffenen Patienten. Reizbarkeit, Unruhe, Nervosität und Konzentrationsstörung gingen ebenfalls deutlich zurück, verschwanden aber nicht komplett. Unerwünschte Wirkungen fielen in dieser Untersuchung nicht auf.

Die gute Verträglichkeit des pflanzlichen Antidepressivums bestätigt auch eine aktuelle Metaanalyse von 16 Anwendungsbeobachtungen mit knapp 35 000 Depressiven, überwiegend Erwachsene. Sie waren mit verschiedenen Johanniskraut-Präparaten behandelt worden, in sechs Studien mit LI 160. Insgesamt sei bei keinem einzigen Patienten in den 16 Studien eine schwere unerwünschte Wirkung beobachtet worden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

MDK lehnt Pflegeanträge seltener ab

Kommen die Pflegereformen bei den Versicherten an? Neuen Zahlen zufolge fallen weniger Antragssteller durchs Raster und erhalten somit Leistungen. mehr »