Ärzte Zeitung, 11.12.2007

Altersbeschwerden kaschieren Depression

Demenz oder Depression? Gründliche Anamnese sorgt bei alten Menschen mit Gedächtnisproblemen für Klarheit

ESSLINGEN (hbr). Bei älteren Patienten ist es oft nicht einfach, eine beginnende Demenz von einer Depression zu unterscheiden - Gedächtnisstörungen treten bei beiden Krankheiten auf. Doch Depressive klagen eher darüber, dagegen bagatellisieren Demenzkranke ihre Probleme. Depressiven geht es abends oft besser, Demenzkranke wirken dann eher noch verwirrter.

Erste diagnostische Hinweise auf eine Depression kann ein kurzer Test liefern: Der Patient wird gefragt, ob er sich im letzten Monat oft niedergeschlagen, traurig oder hoffnungslos gefühlt hat. Außerdem soll er sagen, ob er in dieser Zeit deutlich weniger Lust und Freude an Dingen hatte, die er sonst gerne macht. "Wenn er beide Fragen bejaht, sollte man sich genauer mit ihm befassen", so Professor Wilhelm Niebling von der Universität Freiburg.

Die Diagnose kann bei älteren Patienten aber erschwert sein: Sie wollen oft nicht wahrhaben, dass sie depressiv sind, sagte Niebling bei einem Kongress in Esslingen: "Sie kommen eher mit somatischen Beschwerden in die Praxis, als ungefragt ihre Probleme zu schildern." Zudem können Altersbeschwerden die Symptome kaschieren.

Andere Ursachen müssen also ausgeschlossen werden. Etwa neurologische Krankheiten wie Parkinson. Endokrine Probleme wie eine Schilddrüsen-Unterfunktion können ebenfalls Antriebsmangel oder depressive Verstimmungen bewirken. Oft treten Depressionen auch nach einem Schlaganfall auf.

Wichtig: Differenzialdiagnostisch ist immer auch an eine Demenz zu denken. Wobei die Abgrenzung, etwa zur Alzheimer-Demenz, schwer fallen kann. Ein paar Punkte können aber weiterhelfen. So deuten dauerhafte depressive Symptome mit akutem Start eher auf eine Depression. Affektlabilität, Ablenkbarkeit und ein langsamer Beginn dagegen für Demenz. Depressive beklagen ihre Vergesslichkeit zudem eher - Demenzpatienten neigen dazu, diesen Punkt zu bagatellisieren.

Gleichzeitig haben Depressive fast nie Orientierungsstörungen, aber oft gehemmtes, verlangsamtes Denken. Desorientiertheit und konfuses Denken werden häufiger bei Alzheimerdemenz beobachtet. Eine abendliche Aufhellung der Stimmung tritt eher bei depressiven Patienten auf. Bei Demenz dagegen sind abendliche Verwirrtheit und eine Umkehr des Tag-Nachtrhythmus typisch.

Weitere Infos zu Demenz und Depressionen gibt es im Internet unter www.aerztezeitung.de

Depressionen werden häufig verdrängt.

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