Ärzte Zeitung, 18.09.2009

Motivation zur Selbstsorge / Rasche Reaktion auf Verschlechterung

Praxisteam betreut erfolgreich depressive Patienten

FRANKFURT AM MAIN / JENA (ars). Depressive Patienten profitieren von einer nachhaltigen Betreuung durch die Mitarbeiter einer Hausarztpraxis: Nach zwölf Monaten hatten sie weniger Symptome, und die Compliance war besser als bei der Kontrollgruppe. Und sie schätzten die Behandlung höher ein.

zur Großdarstellung klicken

Sorgfältige Betreuung muntert Depressive auf.

Foto: Klaus Eppele©www.fotolia.de

So lautet das Fazit einer Studie, an der 74 Hausarztpraxen mit 626 depressiven Patienten zwischen 18 und 80 Jahren teilnehmen (Ann Intern Med 151, 2009, 369). Zunächst waren medizinische Fachangestellte und Arzthelferinnen zweimal in Seminaren geschult worden. Zu Beginn der Studie erläuterten sie den Patienten der Interventionsgruppe das Vorhaben, dann führten sie mit ihnen telefonisch zehn- bis 15-minütige Interviews - in den ersten zwei Monaten alle zwei, dann alle vier Wochen.

Dabei fragten sie nach dem Patient Health Questionnaire (PHQ-9, schlechtester Wert: 27 Punkte) das Befinden, die Therapietreue und unerwünschte Wirkungen ab. Anschließend sah der Hausarzt den Bericht durch, wobei ihm ein Ampelschema die Bewertung und die Anpassung der Therapie erleichterte. "Das Praxisteam reagiert damit prompt auf Verschlechterungen und motiviert gleichzeitig die Patienten zur aktiven Selbstsorge", so Professor Jochen Gensichen aus Jena, der PRoMPT (PRimary care Monitoring for depressive Patients Trial) zusammen mit Forschern aus Frankfurt leitet. Nach einem Jahr waren die intensiv betreuten Patienten weniger depressiv als die Kontrollgruppe: Ihr PHQ-9-Punktwert betrug nur 10,7 im Vergleich zu 12,1. Zudem fiel ihr Urteil über die Behandlung besser aus.

Die Studie wird bis Ende April 2010 fortgesetzt. Das Kernprojekt ist im Jahr 2008 mit dem Dr. Lothar Beyer-Preis ausgezeichnet worden.

www.prompt-projekt.de

Lesen Sie dazu auch:
Jeder vierte Patient hat psychosomatische Beschwerden - Herausforderung für Hausärzte

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Hausarzt mit verlängertem Arm

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wirkstoff zum Cannabis-Entzug

Die Blockade der Fettsäureamid-Hydrolase reduziert Symptome beim Cannabis-Entzug. Mit einem Hydrolasehemmer senkten Abstinenzwillige den Konsum um fast 70 Prozent. mehr »

Erfolg mit Gentherapie bei Anämien

Aktuelle Berichte beim ASH-Kongress bestätigen den Nutzen einer Gentherapie bei Patienten mit Beta-Thalassämie oder Sichelzellanämie. mehr »

Leichter Antieg auf 118 Influenza-Fälle

Die Aktivität der akuten Atemwegserkrankungen (ARE) ist in der 48. Kalenderwoche (KW) 2018 in fast allen Bundesländern gestiegen, besonders in Ostdeutschland. mehr »