Ärzte Zeitung online, 30.08.2010

Wer per Zigarette die Stimmung heben will, hat ein erhöhtes Depressionsrisiko

Studie mit knapp 700 Jugendlichen in Kanada

MONTREAL (hub). Greifen Heranwachsende zur Zigarette, um ihre Stimmung zu heben, kann das den gegenteiligen Effekt haben. Zumindest langfristig ist das Risiko für Depressionen erhöht.

Wer per Zigarette die Stimmung heben will, hat ein erhöhtes Depressionsrisiko

Kurzfristig mag es ihm besser gehen, aber langfristig heben jugendliche Raucher durch das Qualmen ihr Risiko für Depressionen.

© blickwinkel / imago

Für ihre Studie haben Forscher der Universität in Montreal 662 Highschool-Teenager Fragebögen ausfüllen lassen, in denen es um den Zusammenhang von Zigarettenkonsum und Stimmungen ging. Die Teilnehmer wurden in drei Gruppen eingeteilt: Eine Gruppe waren die Nichtraucher, Gruppe zwei waren Raucher, die dies taten, ohne ihre Stimmung zu beeinflussen und Gruppe drei schließlich jene Raucher, die mit dem Rauchen ihre Stimmung heben wollten.

Hinweisen oder Symptomen einer Depression wurde nachgegangen, indem den Teilnehmern folgende Fragen gestellt wurden: Wie oft sind sie zu erschöpft, um bestimmte Dinge zu tun? Wie oft haben sie Einschlaf- oder Durchschlafprobleme? Wie oft fühlen sie sich unglücklich, traurig oder hoffnungslos?

Die Ergebnisse: Raucher, die Zigaretten rauchen, um ihre Stimmung zu verbessern, hatten ein höheres Risiko, depressive Symptome zu entwickeln, teilt die Uni von Toronto mit. Auch wenn Zigarettenrauchen kurzfristig die Stimmung zu verbessern scheine, sei langfristig das Risiko für Depressionen durch dieses Verhalten erhöht. "Wer raucht, um sich besser zu fühlen, bekommt eher eine Depression", warnt Studienautor Dr. Michael Chaiton in der Mitteilung. Heranwachsende mit Verdacht auf eine Depression zu fragen, ob sie für eine bessere Stimmung rauchen, könnte also ein Schritt sein, den Verdacht zu erhärten.

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