Ärzte Zeitung, 13.11.2012

Kommentar

Gebrechlich zur Depression

Von Thomas Müller

Bei all den Sorgen um die vielen Demenzkranken, die eine alternde Gesellschaft mit sich bringt, sollten wir eines nicht vergessen: Auch die Depression ist eine Erkrankung des Alters - die Inzidenz nimmt jenseits der 65 Jahre drastisch zu.

Die Bevölkerungsentwicklung vor Augen darf man also nicht nur eine Vervielfachung der Zahl der Demenzkranken in den nächsten Jahrzehnten erwarten. Ähnlich könnte sich die Zahl der Depressiven entwickeln, wenn, wie eine aktuelle Studie andeutet, jede fünfte Frau und sicher ein ähnlich hoher Anteil der Männer im Alter ins Stimmungstief fallen. Im Gegensatz zu Demenzkranken kann man Depressive aber oft gut behandeln.

Das Problem liegt eher darin, die Krankheit zuverlässig zu diagnostizieren. Da bei älteren Menschen der körperliche Niedergang mit großem Abstand der Hauptgrund für die schlechte Stimmung ist, sollte es Ärzten zumindest nicht schwerfallen, gefährdete Patienten zu erkennen und nach ihrem seelischen Befinden zu fragen.

Sicher, gegen die Gebrechlichkeit im Alter gibt es kaum Medikamente, aber nimmt man ältere Menschen ernst und lässt sie mit ihren Beschwerden nicht allein, dann dürfte dies bei ihnen bereits schon antidepressiv wirken.

Lesen Sie dazu auch:
Frauen über 65: Gefäßkrankheiten schüren Depression

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